von Taciana Ottowitz
 
In jedem Monat ändert sich das Wetter; in jedem Monat passieren andere Dinge in der Natur. Dieses Buch führt Kinder in die Jahreszeiten und Monate ein. Die Sonne wirkt dabei als Leitfaden, der den Jahresablauf bestimmt: Sie ermöglicht entweder, dass Blüten und Früchte gedeihen, oder sie schwimmt davon, sodass Kälte und Schnee die Oberhand über das Geschehen übernehmen. Den lyrischen Text des Bilderbuches aus den 1960er Jahren lieferte Elisabeth Borchers. Dietlind Blech lieferte eine kunstvolle bildnerische Umsetzung. Text und Bild harmonisieren miteinander und bilden ein stilistisches Gleichgewicht.
 
Blech, Dietlind/Borchers, Elisabeth: Und oben schwimmt die Sonne davon.
Verlag Heinrich Ellermann, München, 1965.
48 Seiten, vergriffen, ab ca. 30€ antiquarisch erhältlich.
ISBN 9-783-3770760084.
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

Das Bilderbuch Und oben schwimmt die Sonne davon ist ein künstlerisches Bilderbuch mit aus zart gebrochenen Tönen gestalteten Bildern und begleitender Lyrik. Es stand 1966 auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises in der Kategorie Bilderbuch. Mit starkem poetischem Reiz werden zwölf Gedichte von Elisabeth Borchers (1926-2013) mit frei assoziierenden Versen zu den Monaten präsentiert, die den Wechsel in der Natur und deren Ereignisse wiedergeben und sich zu einem Kreislauf schließen. Die Natur bestimmt nicht nur den Jahresablauf, sie steht vielmehr im Zentrum dieses Bilderbuches. Nach ihr wird der Farbton aller Illustrationen in deren jeweiligem Zusammenhang ausgewählt; von blauen, grauen Tönen des Winters, hin zu Grün und Blau des Frühlings, die sich dann mit Rot oder Gelb des Sommers vermischen, um schließlich in das Grau, Braun oder Rot des Herbstes überzugehen. Wenn einige Seiten farbiger und leuchtender sind, wie die bunt gekleideten drei Könige im Januar oder die leuchtenden, gelben Sonnenblumen im Juli, herrschen im November die gebrochenen Töne (braune Ockertöne der Häuser, die wie man im Text liest; "enger zusammen rücken") vor. All dies verleiht dem Bilderbuch seinen zarten, poetischen Charakter.
 
 
Durch das Stempeldruckverfahren schaffte Blech eine malerische Atmosphäre aus Farb- und Formgebung. In "April-Gedichte" werden z.B. Elemente des Wetters, – wie runde Formen des Wirbels des Windes und der bedeckten gelben Sonne – auf der Doppelseite dargestellt. Zu lesen ist hier: "Es kommt eine Zeit/mit Regen/mit Hagel/mit Schnee/ Mit Wind der um die Ecke stürzt/der nimmt dem Mann den Hut vom Kopf..."  Auf dem folgenden Doppelblatt streckt sich der Kirchturm von unten und vor dem Wirbel in den Himmel empor. Auf dem rechten Bildrand wird der Mann mit seinem Regenschirm abgebildet, wie er mitten im Sturm gegen Wind und Schnee kämpft. Die dadurch erzielte bewegte Flächenstruktur des Sturms erzeugt eine annähernd abstrakte Bildform. Der Mann und der Kirchturm am Rande des Bildraumes wirken wie Ornamente.
So wie im April beginnt bei jedem Monat des Jahres das Gedicht mit "Es kommt eine Zeit ...". Die Strophen werden als rhythmische Erzählungen strukturiert. Aus diesem immer wiederkehrenden ersten Satz ertönt eine Melodie, die das ganze Buch begleitet.
 
Kritik
Die von Elisabeth Borchers gewählten Worte sind voller Poesie; die Erzählstruktur bietet viel Raum für Interpretationen, da sie vielfache Assoziationen hervorruft und Gedankenbilder entstehen lässt. Die schwierige Aufgabe, solche Texte zu illustrieren, löste Dietlind Blech (1937-) dadurch, dass sie die abstrahierenden Formelemente mit figürlichen Abbildungen aus der Natur ergänzte.
Dieses Zusammenspiel zwischen abstrakt (Ausdruckskraft des Malens) und figurativ (Darstellung von Gegenständen) gewann im Bilderbuch erst ab den 1960er Jahren an Bedeutung. Es war eine verspätete und abgemilderte Übernahme der Abstraktion aus der bildenden Kunst. Das Ergebnis waren relativ wenig definierte Bildaussagen, die außerdem begrüßt wurden, denn sie ermöglichten dem Kind weitergehende Interpretationen. Assoziationen in den Bilderbuchillustrationen durch abstrahierende Farbflächen sollen das Kind auffordern, selbst das Bild aktiv zu interpretieren; entsprechend den neuen pädagogischen und politischen Anschauungen der Zeit, deren Ziel es war, das Kind zu emanzipieren.
Mit einer zur damaligen Zeit modernen Grafik wurde dieses Bilderbuch in Schablonendruck, Walztechnik und Offsetfarben gestaltet. Die Buchseiten haben fast ein quadratisches Format (27 cm x 28 cm) und sind relativ groß, um genügend Platz für die Bildelemente zu bieten und zugleich Freiräume zuzulassen. Damit wirkt die Bildkomposition locker und atmosphärisch.
 
Fazit
Die Bilder und die Gedichte haben ebenso wie der Titel des Buches etwas Geheimnisvolles und Sinnliches, das die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich zieht. Der Thematik der Jahreszeiten und den damit einhergehenden Veränderung der Natur in der Tier- und Pflanzenwelt können Kinder ab vier Jahren folgen, denn auch ihnen sind diese allgegenwärtig und dadurch leicht verständlich.
So wie bei seiner Erscheinung in den 1960er Jahren zieht dieses künstlerische Bilderbuch nach wie vor Kinder, aber auch erwachsene Liebhaber an, die solche unkonventionellen Bücher schätzen.
 

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