von Corinna Norrick-Rühl

Wer mit Kindern lebt oder arbeitet, weiß: Wut ist ein wichtiges Thema. Das Wütendsein gehört für Kinder (und Erwachsene) zum Alltag, und die gewaltlose Wutbewältigung ist eine große Herausforderung. Dieses wunderbare Mitmachbuch mit dem sympathischen Protagonisten Wim füllt eine Lücke im Bilderbuchangebot.

Neßhöver, Nanna (Text)/Sommer, Eleanor (Bild):Wenn ich wütend bin.
Carlsen, Hamburg, 2019.
48 Seiten, 13,00 €
ISBN 978-3-551-51838-5.
Empfohlen ab 2 Jahren.

Inhalt

Wim, der kleine Affe, ist wütend. Alles läuft schief, gleich morgens, und am liebsten würde er… ja, was macht man denn so, wenn man wütend ist? Wim schaut sich erstmal um und holt sich Rat bei großen und kleinen Dschungeltieren, die alle gute Ideen haben. Man kann stampfen wie das Elefanten- oder brüllen wie das Tigermädchen. Man kann Energie abbauen und schnell rennen wie der Leopard oder einen Baum schütteln wie der Tapir. Und am Ende hilft Wim dem Faultier, das auch einen richtig miesen Start in den Tag hatte – ganz unschuldig ist Wim daran nicht. Umso besser, dass Wim ihm eine freundliche Brücke zur Wutbewältigung und ihn dann in sein Baumhaus zu einem Plausch einlädt.

Kritik 

Mit klaren Formen und Farben inszeniert Eleanor Sommer dieses Wutbuch. Ihre sympathischen Tierfiguren mit ausdrucksstarken Gesichtern kommen gut bei Kindern an. Für Typografie und Satz zeichnet Sommer ebenfalls verantwortlich, und dadurch ist das Buch wirklich ein rundum gelungenes Projekt. Es zaubert Dschungelatmosphäre und stellt gleichzeitig die universelle Relevanz dieses wichtigen Themas in den Vordergrund. Den Text lieferte Nanna Neßhöver, die damit schon ein zweites Buch zum Thema Gefühle im Jahr 2019 publiziert. Das Buch zur Wut findet genau den richtigen Ton: Neßhöver holt die Kinder dort ab, wo sie sind, bei den kleinen Frustrationen im Alltag, die unweigerlich passieren und zum Leben dazugehören ("das falsche Frühstück", "jetzt ist auch noch seine Banane heruntergefallen!", o.S.). Ganz pragmatisch, direkt und ehrlich erzählen dann die Tiere, wie sie gelernt haben, mit der Wut umzugehen. Am Schluss des Buches wurde noch ein Nachwort des Psychoanalytikers Dr. Hans Hopf beigefügt, der auf Augenhöhe mit den Kindern in einfacher, direkter Sprache das mit der Wut nochmals erklärt. Und wer nach dem mehrmaligen Lesen, das unweigerlich von den kleinen Zuhörerinnen und Zuhörern eingefordert wird, noch Kraft hat, kann ein Wut-Türschild basteln: die Vorlage wird, ebenfalls von Eleanor Sommer gestaltet, auf dem Nachsatzpapier beigegeben.

Aufgrund der Wichtigkeit des Themas seien hier ergänzend noch zwei weitere empfehlenswerte Titel genannt, die ganz klar im Kindergarten- und Familienalltag der Kinder verortet sind: der Klassiker von Dagmar Geisler Wohin mit meiner Wut (Loewe, 2012, derzeit 6. Auflage) und mit der beliebten Identifikationsfigur Conni Conni ist wütend (Hardcover 2017; Softcover 2019). Die Stärke des vorliegenden Buches liegt aber genau in der bereits angesprochenen gelungenen Gratwanderung zwischen Dschungelabstraktion und konkreten Vorschlägen zum Umgang mit Wutgefühlen. 

Fazit

Selten hat mich ein Buch mit so deutlich formulierter pädagogischer Absicht so überzeugt. Dies ist kein Buch für die Gute-Nacht-Vorlesestunde, sondern eines, das von der Anschlusskommunikation und vom Mitmachen lebt. Eleanor Sommer und Nanna Neßhöver haben mit der Zielgruppe im Blick ganze Arbeit geleistet und es ist verständlich und erfreulich, dass das Buch innerhalb weniger Wochen schon in der vierten Auflage vorliegt (vgl. U4). Alle können mit Wim mitfiebern: die Kinder, aber auch Eltern und Erzieherinnen und Erzieher können überlegen, welche Wutbewältigungsstrategien bei ihnen im Alltag funktionieren. Unbedingt empfehlenswert, schon für Kinder ab zwei Jahren, zuhause und in der KiTa.

Erstveröffentlichung: 19.12.2019


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