von Dr. phil. Kirsten Kumschlies

Was war das eigentlich: Die DDR? Susanne Fritsche erzählt die Geschichte des von der Landkarte verschwundenen Staates - für Kinder und auch erwachsene Vermittler anschaulich aufbereitet. Sie verbindet dabei subjektive Erinnerungen mit historischem Material…

Fritsche, Susanne:
Die Mauer ist gefallen. Eine kleine Geschichte der DDR
dtv. Reihe Hanser, München 2014.
147 Seiten, 10,95 €.
ISBN 978-3-423-62578-4.

Inhalt

Vom Mauerbau bis zum Mauerfall. Susanne Fritsche, 1979 in Thüringen geboren, stellt in diesem Sachbuch Kindern die DDR-Geschichte in illustrierter Version vor. Dabei verbindet sie ihre eigene Kindheitsgeschichte mit historischen Fakten z. B. Informationen über die Gründung der beiden deutschen Staaten, die vorhergehende Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Mauerbau usw. "Ich schreibe über geschichtliche Fakten, um den Staat, in dem ich zehn Jahre lebte, besser zu verstehen. Diese Fakten verknüpfe ich mit eigenen Erfahrungen, weil ich hoffe, dass sich so auch andere, vor allem Kinder und Jugendliche, ein Bild von der DDR machen können", lässt Susanne Fritsche ihre Leser im Vorwort wissen (S. 11).


Getragen ist die Darstellung von einer großen Illustrationsfülle. Kindheitsfotos der Autorin (z. B. die kleine Susanne mit ihrem ersten 10-DM-Schein, Begrüßungsgeld aus der BRD) und persönliche Dokumente (z. B. Zeugnisse) ergänzen hierbei zahlreiche Abbildungen und Archivfotos aus der DDR-Historie vom Mauerbau bis zum Mauerfall. So wird die Geschichte der DDR von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende anschaulich aus subjektiver Perspektive geschildert, ohne die objektiven Tatsachen aus den Augen zu verlieren. Im Gegenteil: Subjektive Eindrücke werden mit objektiven Sachverhalten verflochten und ermöglichen ein umfassendes Bild der DDR-Geschichte seit den 1950er Jahren bis hin zu ihrer Auflösung.
Auf ein persönliches Vorwort der Autorin, in dem sie ihr Anliegen erklärt, ihre eigene Vergangenheit mit der Geschichte der DDR verbinden zu wollen, folgen eine Zeitleiste und schließlich fünf Kapitel, die folgende Themen behandeln: Geschichte der Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, kindliches Leben in der DDR, Arbeitsbedingungen in der DDR, Stasi und Sozialismus, Geschichte der Wende: Ausreisewellen, Montagsdemonstrationen, Mauerfall, der Weg zur Deutschen Einheit.

Kritik

Susanne Fritsches Die Mauer ist gefallen ist deshalb ein besonderes Sachbuch für Kinder, weil die Verbindung zwischen Subjektivität, persönlichem Erleben und 'großer Geschichte' ausgesprochen gut gelungen ist. Aber auch erwachsenen Lesern bietet das Buch eine Fülle an Informationen und kann sicherlich auch von ihnen mit Gewinn gelesen werden. Besonders eindrucksvoll ist u. a. die Schilderung der Wendezeit, in der die zehnjährige Susanne schwer enttäuscht von Erich Honecker ist. Auf Anraten ihrer Eltern schreibt sie einen Brief an den Ex-Staatsratsvorsitzenden, in dem sie ihre Wut über die Verhältnisse in der DDR ausdrückt. Dieser Brief ist als Foto zu sehen, wodurch die Schilderung besonders authentisch wirkt.  Durch die eindringliche Verbindung von Text, Bildern und persönlicher Sichtweise umgeht das Buch jede 'Trockenheit' und bietet all jenen einen guten Einstieg, die sich mit DDR-Geschichte befassen möchten, sei es im schulischen oder im außerschulischen Kontext.
Auf Sachtexte folgen stets solche Abschnitte, in denen Fritsche aus ihrer Kindheit erzählt: "Die ersten Helden meiner Kindheit waren Bummi (der kleine Teddybär, der aus dem Spielzeugland daherkam) und der Sandmann" (S. 37). Auf den Doppelseiten ist die Verteilung von Text und Bild etwa gleichgewichtig, es gibt nur vereinzelte Seiten, auf denen der Text deutlich überwiegt oder gar ohne Bilder steht. Diese 'Machart' erleichtert die Rezeption und kommt kindlichen Lesern besonders entgegen. Geschichte wird hier erleb- und nachvollziehbar, da die kindliche Perspektive im Fokus der Darstellung steht und die historischen Fakten so weniger abstrakt erscheinen.
Das Buch eignet sich als Nachschlagewerk zur DDR-Geschichte und kann im Unterricht auch gut ergänzend zu einem fiktionalen Text eingesetzt werden (z. B. Fritzi war dabei von Hanna Schott), um den Blick auf die DDR zu erweitern.

Fazit

Ein vergleichbares Sachbuch für Kinder zu diesem Thema liegt bislang nicht vor (für Jugendliche empfehlenswert ist Die DDR von Hermann Vinke). Von daher lohnt sich die Neuauflage als Taschenbuch von Fritsches Sachbuch, das erstmalig als Hardcover-Ausgabe im Jahr 2004 erschien, zum 25jährigen Jubiläum des Mauerfalls im Jahr 2014 alle Mal. Empfohlen sei es vor allem Lesern im Alter von 9-12 Jahren.

 

Newsletter


Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

August 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
31 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3