von Heike Elisabeth Jüngst

Ein neuer Band aus der erfolgreichen Reihe, diesmal zu Uwe-Michael Gutzschhahn, der im vorigen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis für das Gesamtwerk Übersetzen erhielt. Doch Gutzschhahn ist nicht nur Übersetzer, sondern, man möge das altmodische Wort verzeihen, ein kinderliterarischer Tausendsassa. Das kommt in diesem Buch, das ihn in allen Facetten zeigt, sehr schön zum Tragen. 

Oetken, Mareile/Vach, Karin/Weinkauff, Gina: Uwe-Michael Gutzschhahn. Heidelberger Kinderliteraturgespräche 2016/Oldenburger Poetikvorlesungen 2016 (=Kinder- und Jugendliteratur aktuell Bd. 7)
kopaed, München 2017
262 Seiten, 20,00 Euro
ISBN 978-3-86736-385-3

Inhalt

Naturgemäß befassen sich die meisten Beiträge mit übersetzerischen Fragen; schließlich hat Gutzschhahn mehr als 150 Werke übersetzt. Die Beiträge von Claudia Söffner zu Gutzschhahns Übersetzungen von Kevin Brooks und von Agnes Blümer zu denen von Emily Gravetts Kinderbüchern zeigen sehr schön, wie ein Übersetzer zu einem Spezialisten für Autoren werden kann, sozusagen in ihr Werk hineinschmilzt. Gabriele Scherer befasst sich mit Gutzschhahns Übersetzung von Zorgamazoo, eine der Übersetzungen, die wesentlich zu seiner Wahl als Übersetzungspreisträger beigetragen haben – und der seltene Fall eines Kinderbuches in Versform mit einer Fülle an Fallstricken für den Übersetzer. Man kann aus diesen Aufsätzen lernen, wie komplex die Aufgabe eines Übersetzers ist, was alles beachtet werden muss, und dass das Übersetzen sprachlicher Elemente ein guter Anfang ist, aber nicht ausreicht.

Doch schon das Gespräch mit Karin Vach und Gina Weinkauff ganz am Anfang des Bandes zeigt, dass Gutzschhahn weit vielseitiger ist. Es geht um das Schreiben von Lyrik (auch das macht Gutzschhahn), um das Lesen von Lyrik, um die Frage, warum herausragende Kinder- und Jugendliteratur als "nur" Kinder- und Jugendliteratur wahrgenommen wird. Vor allem aber erzählt er die Geschichte, wie er als Moritz Eidechser ein Buch in einer Erstlesereihe unterbrachte. Da Sie alle das hier besprochene Buch lesen sollen, wird hier nicht verraten, wie das genau ablief. Eines sei aber angemerkt: Gutzschhahn hat es faustdick hinter den Ohren …

Es ist das Spielerische, das "mal ausprobieren", das für einen guten und selbstkritischen Übersetzer unerlässlich ist und das Gutzschhahn sehr genau und überzeugend schildert. Dazu kommt seine Liebe zur Sprache und zum Sprachklang, die in jedem Beitrag dieses Buches erwähnt wird. Musik, Sound, Rhythmus werden als Erklärmethaphern zu Gutzschhahns Texten angeführt. Sie spielen in den Übersetzungen ebenso eine Rolle wie in Gutzschhahns Werken als Autor. Mareile Oetken behandelt diese Motivik textübergreifend, Karin Vach analysiert Gutzschhahns Erzählungen für Kinder, Gabriele von Glasenapp seinen Jugendroman Betreten verboten. Auch dort spielen der Sound der Texte, ihr Rhythmus, aber auch Musikstücke als Leitmotive eine große Rolle.

Übersetzer, Autor, Lektor, schließlich auch Herausgeber: Mit Gutzschhahns Arbeit als Lektor und Programmleiter befasst sich Sonja Müller-Carstens, mit der Tätigkeit als Herausgeber Susan Kreller und Sebastian Schmideler. Auch hier wird Gutzschhahns Fähigkeit zum Blick über den Tellerrand deutlich.

Kritik

Dieses Buch bietet Einblicke in Gutzschhahns Werk, stellt aber den Menschen Gutzschhahn in den Mittelpunkt. Dies geschieht durch die hier vertretenen unterschiedlichen Textsorten (Interviews, fachwissenschaftliche Analysen, Selbstzeugnisse). Diese ergänzen sich und ermöglichen es den Lesern, aus verschiedenen Perspektiven auf die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten Gutzschhahns zu blicken und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Mischung aus Wissenschaft und Praxisberichten macht das Buch nicht nur für Wissenschaftlerinnen und Lehrkräfte, die sich im Unterricht mit Gutzschhahns Werke auseinandersetzen, interessant, sondern auch für diejenigen, die praktisch als Übersetzer im KJL-Bereich arbeiten möchten. Ein paar inhaltliche Überschneidungen sind nicht zu vermeiden, da hier Texte aus verschiedenen Quellen aufgenommen wurden und Gutzschhahn besonders wichtige Punkte in all diesen Quellen erwähnt. Man gewinnt einen guten Eindruck von diesem interessanten und großzügigen Menschen, der seine Zeit gern mit denen teilt, die von ihm lernen wollen, von seiner Arbeit, seiner Arbeitsweise und seinem Engagement.

Den Abschluss bilden kurze Beiträge von Weggefährten Gutzschhahns, teilweise mit nettem Tratsch. Und da alle betonen, wie schwierig Gutzschhahns Name zu schreiben ist und wie pingelig er damit ist, muss ich auch schnell eine Anekdote loswerden: Ich habe seinen Namen schon bei der allerersten an ihn verschickten Mail richtig geschrieben. Dafür er meinen falsch. Das war ihm mehr als peinlich. Ich fand’s lustig.

Fazit

Das Buch bietet einen ungewöhnlichen Einblick in das Schaffen eines der profiliertesten Übersetzer in der KJL. Es sollte Pflichtlektüre für alle sein, die sich mit KJL-Übersetzung befassen wie auch gerade für diejenigen, die sich noch nie Gedanken darüber gemacht haben. "No man is an Island". Gutzschhahn ist mindestens Brücke, Fähre und Ufer zugleich.

Wir verlosen dieses Buch: Schreiben Sie uns zur Teilnahme an der Verlosung einfach eine eMail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem Titel des Buchs, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an dem Tag, an dem wir das Buch vorstellen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen Ihnen viel Glück und drücken alle Daumen!

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