von Julia Dettling, Sonja Schmid, Jaqueline Bolduan, Selina Jehle

Ein tierisches Abenteuer über Freundschaft, Toleranz und Zusammenhalt auf dem Hexenbesen, das auf die berühmte Bilderbuchgeschichte von Julia Donaldson und Axel Scheffler zurückgeht.

Inhalt

Eine Hexe reist mit ihrer Katze, ihrem Kessel, ihrem Hut, ihrer Haarschleife und ihrem Zauberstab auf einem Besen durch das Land. Durch einen missglückten Kochversuch weckt sie einen Drachen, der sie daraufhin – von ihr unbemerkt – verfolgt. Wegen eines aufziehenden Gewitters macht sich die Hexe mit der Katze wieder auf den Weg. Dabei verliert sie bei einem Windstoß ihren Hut, den sie selbst nicht wiederfindet. Ein Hund findet den Hut und bringt ihn ihr zurück, woraufhin er die Hexe begleiten darf. Wieder in der Luft verliert sie nach und nach noch ihre Schleife und den Zauberstab, die ihr von einem Vogel und einem Frosch wieder gebracht werden. Auch diese Tiere dürfen sie von da an begleiten.

Allerdings sind alle Tiere und die Hexe zu schwer für den Besen, so dass dieser in zwei Teile bricht und die Tiere abstürzen. Der Drache holt die Hexe auf dem restlichen Besenstück ein und jagt sie durch die Lüfte. Die Hexe stürzt schließlich ab und der Drache ist kurz davor, sie zu verspeisen. Die Tiere – als Moor-Ungeheuer verkleidet – verjagen ihn und retten die Hexe.

Am Ende zaubert die Hexe einen neuen, größeren und luxuriös auf die Bedürfnisse der Tiere zugeschnittenen Besen, auf dem sie alle weiterreisen können.

Kritik

Als Buchvorlage für den Kurzfilm Für Hund und Katz ist auch noch Platz von Max Lang und Jan Lachauer diente das gleichnamige Bilderbuch von Julia Donaldson und Axel Scheffler. Der Film 2013 wurde mit dem BAFTA Award in der Kategorie "Animation" ausgezeichnet.

Die Geschichte und die Darstellung der Charaktere orientieren sich eng am Buch, der Text wird in seiner einprägsamen Reimform sogar komplett übernommen. Durch zusätzlich eingebrachte Szenen werden für die Verstehensleistung der Kinder sinnvolle Hintergründe der Geschichte vermittelt. Außerdem wird dadurch der Handlungsverlauf schlüssiger.

Wie auch im Buch sind die Tiere mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet, sie können beispielsweise sprechen und auf zwei Beinen gehen, was es Kindern erleichtert, die verschiedenen Persönlichkeiten zu begreifen. Diese werden im Film komplexer und differenzierter dargestellt als in der literarischen Vorlage.

Das typische Rollenbild der bösen Hexe wird gebrochen, indem sie als freundlich, lieb und hilfsbereit auftritt und einen durchweg positiv handelnden Charakter darstellt. Sie ist aufgeschlossen und offen für Neues, nutzt ihre Zauberkräfte, um ihre Umgebung zu erkunden und nicht dafür, Böses zu bewirken oder ihre Macht zu demonstrieren. Der Rezipient wird dadurch dazu bewegt, seine bestehenden Vorurteile und Erwartungen neu zu überdenken. Unzulänglichkeiten in ihren Fähigkeiten sowie andere kleine Makel machen die Hexe für die Kinder greifbar. Durch ihre Tollpatschigkeit etwa ist sie auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen. Sie wird so zu einer Protagonistin, mit der Kinder sich identifizieren können und dadurch als ein Vorbild wirken kann. Diese Vorbildfunktion kommt ihr vor allen Dingen durch ihr moralisch gutes Handeln und ihre wertschätzende und bejahende Art zu. Sie ist unvoreingenommen und tolerant gegenüber solchen, die in ihrer jeweiligen Lebenswelt ausgeschlossen wurden oder den Kontakt zu anderen Lebewesen suchen. Beispielsweise nimmt sie den Hund trotz seiner Flöhe, den Vogel trotz seiner Andersartigkeit und den Frosch trotz seiner Eitelkeit mit auf ihren Besen.

Eine enge Freundschaft verbindet die Hexe mit der Katze. Besonders in den ersten Szenen wird diese Freundschaft deutlich: Die Katze schläft auf dem Bauch der Hexe, weckt diese auf und beschützt sie gewissermaßen, indem sie sie zum Beispiel beim Kochen vorwarnt und bei einem missglückenden Kochversuch rettet.

Die verbleibenden Tiere sind ebenfalls durch bestimmte Eigenschaften geprägt, die sie zum einen zum Außenseiter machen und zum anderen als einzigartig auszeichnen. So wird zum Beispiel der Vogel ausgeschlossen, weil er mit seinem grünen Gefieder anders aussieht als die anderen Vögel. Somit steht er stellvertretend für Menschen, die aufgrund ihrer Ethnizität  diskriminiert werden.

Auch der Frosch sticht durch sein artuntypisches Verhalten hervor: Er ist sehr eitel und auf Sauberkeit bedacht, was ihn von seinen Artgenossen abgrenzt, die im Schlamm leben. Durch ihn wird deutlich, wie verschieden Charaktere sein können, und dass selbst solche, die sehr auf sich selbst fokussiert sind, die Gemeinschaft mit anderen brauchen.

Zu Beginn der Geschichte begegnen sich die Tiere eher distanziert und abweisend. Dennoch müssen sie miteinander auskommen. Erst durch die Notsituation der Hexe arbeiten die Tiere zusammen, um die Gefahr abzuwenden. Es entsteht eine Freundschaft aus vielen unterschiedlichen Individuen, deren Eigenschaften sich ergänzen. Jeder Einzelne ist wertvoll und gemeinsam sind die Tiere (und die Hexe) stark. Das Prinzip des Handelns "Einer für alle, alle für einen" führt letztendlich zum Sieg des Guten über das Böse.

Während des gesamten Filmes werden Stimmungen, Emotionen, Bewegungen und Handlung sehr schön durch die Musik unterstrichen und verdeutlicht. Sie ist geprägt von verschiedenen Motiven, die für die unterschiedlichen Charaktere stehen. Der Drache beispielsweise wird begleitet von einer bedrohlich anmutenden Melodie mit höheren Tönen beim Flug über den Wolken und tieferen beim schwerfälligen Gehen auf der Erde. Das sich langsam erhebende Schlammmonster wird von langsamer Musik begleitet, während sich diese mit zunehmender Bewegung des Bildes ebenfalls beschleunigt. Dadurch macht die Musik die Geschichte intensiver erlebbar, sie untermalt die Geschichte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Insgesamt ist diese Inszenierung sehr passend gewählt.

Der Spannungsbogen steigt mit der zunehmenden Bedrohung durch den Drachen und findet seinen Höhepunkt in der Auseinandersetzung der Hexe mit dem Drachen. je weiter die Geschichte fortschreitet, desto schlechter wird das Wetter und dementsprechend düster werden die Farben. So wird eine bedrohliche Atmosphäre geschaffen, die sich noch zuspitzt, indem die Annäherung des Drachens mit zunehmender Häufigkeit eingeblendet wird. Mit der Rettung der Hexe durch die Tiere löst sich die Spannung und die Geschichte schließt mit einem Happy End.

Fazit

Der Kinderfilm Für Hund und Katz ist auch noch Platz ist liebevoll animiert und greift dabei explizit auf die Zeichnungen aus dem gleichnamigen Buch zurück. Der Film zeigt, wie wichtig Freundschaft und Zusammenhalt ist. Durch die Rettungsaktion der Tiere wird den Kindern verdeutlicht, dass in schweren Situationen Freundschaft ein guter Rückhalt sein kann. Es wird aufgegriffen, dass jeder in einer Gruppe seine Eigenheiten hat und trotzdem akzeptiert wird.

Der Film hat keine Altersbegrenzung, jedoch ist er erst ab vier Jahren zu empfehlen. Jüngeren Kindern ist es weniger möglich, sich in die Moralvorstellungen hineinzuversetzen und dem Filmgeschehen zu folgen. Er eignet sich für die Grundschule, um Themen wie Toleranz, Ausgrenzung und Zusammenhalt zu verdeutlichen und zu besprechen.


Titel: Für Hund und Katz ist auch noch Platz
Originaltitel: Room on the Broom
Buchvorlage: "Room on the Broom" von Julia Donaldson und Axel Scheffler
Genre: animierter Kurzfilm
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2012
Dauer: 25 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 16.01.2014
Verleih: Concorde Home Entertainment (Concolino)
Einspielergebnis weltweit: unbekannt
Regisseur: Max Lang, Jan Lachauer
Drehbuch: Julia Donaldson und Max Lang
Synchronsprecher: Christian Ulmen (Erzähler), Anke Reitzenstein (Hexe), Bernhard Völger (Katze), Uli Krohm (Drache), Lutz Schnell (Hund), Katrin Zimmermann (Vogel) und Gerald Schaale(Frosch)
Musik: René Aubry
Schnitt: Robin Sales
Produzent: Michael Rose und Martin Pope


Quellen:

  • British Academy of Film and Television Arts: Childrens Animation 2013. Verfügbar unter: http://awards.bafta.org/award/2013/childrens/animation (Zugriff: 05.08.2015)
  • Für Hund und Katz ist auch noch Platz (Max Lang & Jan Lachauer, Großbritannien, 2012)
  • Scheffler, A., Donaldson, J. & Pressler, M. (2001). Für Hund und Katz ist auch noch Platz. Programm Beltz & Gelberg. Weinheim: Beltz und Gelberg.

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