Chihiros Reise ins Zauberland (Hayao Miyazaki, 2002)

von Benjamin Kuthning, B.A.

Hayao Miyazaki ist vielleicht der gegenwärtig bedeutendste Filmregisseur Japans. Mit seinen Animationsfilmen erzielt er große Gewinne an den japanischen Kinokassen und ist Stammgast auf internationalen Filmfestivals. Seinen Durchbruch in Deutschland erlebte Miyazaki, als sein Film Chihiros Reise ins Zauberland den Goldenen Bären bei der Berlinale 2002 gewann. Später sollte der Anime auch den Oscar als bester Animationsfilm gewinnen.


Inhalt

Chihiros Reise ins Zauberland erzählt die Geschichte eines Mädchens, das in der Tradition des Adoleszenzfilms ein Abenteuer erlebt, bei dem sie einen wichtigen Entwicklungsschritt zum Erwachsenwerden hin vollzieht. Die junge Chihiro zieht mit ihrer Familie an einen neuen Ort. Auf der Fahrt verirren sie sich und landen durch einen Tunnel in einem verlassenen Vergnügungspark – der Tunnel ist eine Referenz an Lewis Carrolls "Alice im Wunderland". Im Park findet die Familie ein prachtvoll hergerichtetes Festmahl, bei dessen Verzehr die Eltern sich in Schweine verwandeln. Der Vergnügungspark ist ein magischer und verwunschener Ort, in dem traditionelle japanische Geister und Dämonen leben. Um ihre Eltern zurück in Menschen zu verwandeln, muss Chihiro in einem Badehaus für die Hexe Yubaba schwer arbeiten und wird mit den Geistern konfrontiert.

Während ihrer Arbeit erlebt Chihiro verschiedene Abenteuer, bei denen sie sich von einem schüchternen, ängstlichen und selbstsüchtigen Mädchen zu einer selbstbewussten und tapferen jungen Frau entwickelt. Sie wird konfrontiert mit Verlust und Gefahr, und lernt dabei die Bedeutung von Freundschaft, Selbstlosigkeit und Liebe.

Zudem werden wie fast immer bei Miyazaki die Themen Spiritualität und Natur behandelt. In seinem Filmen müssen die Menschen lernen, in Einklang mit der Natur – hier vertreten von verschiedenen Geistern – zu leben. Diese spirituelle Verbindung zur Natur, die Miyazakis Appell an die japanische Jugend ist, erscheint dem europäischen Zuschauer dabei eher fremd. Nichtsdestotrotz ist das Thema Ökologie auch in unserem Kulturkreis aktueller denn je und der Film bezieht zu diesem Thema eine klare Position.

Kritik

Chihiros Reise ins Zauberland ist kein spezifischer Kinderfilm. In seiner Komplexität offenbart er sich nur Jugendlichen und Erwachsenen vollständig. Jüngere Kinder werden wahrscheinlich viele Aspekte der Geschichte nicht verstehen und manches für unheimlich erachten. Dennoch dürften sie Freude haben an den farbenprächtigen Animationen und der slapstickhaften Komik. Entsprechend ist dies ein Film, der für die ganze Familie geeignet ist. Daher verwundert es auch nicht, dass  Chihiros Reise ins Zauberland in Japan mit umgerechnet $ 230 Mio. der erfolgreichste Film aller Zeiten an den japanischen Kinokassen ist - weltweit hat der Anime knapp $ 275 Mio. eingespielt.

Außerdem, so schrieb der berühmte amerikanische Filmkritiker Roger Ebert einmal, sollten gelungene Geschichten für Kinder immer eine verborgene Dimension beinhaltet, die sich den Kindern erst in einigen Jahren erschließen wird, sich ihnen aber jetzt schon andeutet.

Fazit

In diesem Sinne ist  Chihiros Reise ins Zauberland ein idealer Film für Kinder und Jugendlichen, in dem es vieles zu entdecken gibt und dabei gleichzeitig Botschaften vermittelt werden, ohne dass der Film belehrend wirkt.

 

Titel: Chihiros Reise ins Zauberland
Originaltitel: Sen to Chihiro no Kamikakushi
Produktionsland: Japan
Produktionsjahr: 2001
Dauer: 125 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 03.11.2003 (DVD)
Verleih: Universum Anime (DVD-Vertrieb)
Einspielergebnis: $ 275 Mio.
Regisseur: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki
Synchronsprecher: Sidonie von Krosigk (Chihiro/Sen), Nina Hagen (Yubaba/Zeniba), Cosma Shiva Hagen (Lin), Tim Sander (Haku)
Kamera: Atsushi Okui
Musik: Joe Hisaishi
Schnitt: Takeshi Seyama
Produzent: Toshio Suzuki

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