von Frank Münschke

Die achtteilige Webserie Girl Cave erzählt vom Aufwachsen in der deutschen Provinz und überzeugt durch eine verträumte Grundstimmung und die sympathischen Hauptfiguren.

 

Inhalt

Die 16-Jährigen Caro, Julija und Zada leben in einem namenlosen Dorf irgendwo in Deutschland. Zu Beginn der Serie stirbt Julijas Mutter, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte und die ein wildes und unstetes Leben führte. Sie hinterlässt ihrer Tochter ein Buch, in dem sie ihr Aufgaben und Lebensweisheiten mit auf den Weg gibt. Diese strukturieren die acht Folgen der Webserie, in denen die drei Freundinnen einzelne mütterliche Aufforderungen in die Tat umsetzen: Sie lassen etwa einen Drachen steigen, überfallen eine Bank (zumindest in ihrer Fantasie), machen ihre erste gemeinsame Drogenerfahrung und verbringen eine Nacht in den Wäldern. Girl Cave erzählt vom Alltag der Mädchen in der deutschen Provinz, der von klassischen Fragen der Adoleszenz bestimmt ist: Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Was ist wirklich wichtig im Leben? Gut, dass die ohnehin schon enge Mädchenfreundschaft im Verlauf der Serie noch intensiver wird, denn ohne Freunde kann es auf dem Land ziemlich langweilig sein. 

Verleih: FUNK

Kritik

Girl Cave ist eine charmante Serie, was vor allem an den drei Protagonistinnen liegt: Caro ist (nach außen) ziemlich taff und hat als einzige der Dreien bereits mit einem Jungen geschlafen, Julija ist eher ruhig und verträumt, Zada ist kreativ und schreibt Fanfiction. Was alle drei gemein haben: Sie suchen ihren Platz im Leben, sind in vielen Momenten unsicher und dann doch wieder selbstbewusst und zielgerichtet. Die Zeit der Adoleszenz mit all ihren Verwirrungen wird in der Serie sehr authentisch, erfrischend und humorvoll beschrieben. Die drei unterhalten sich über Jungs, Beziehungskonzepte, mögliche Lebensziele und darüber, wann sie das Dorf verlassen werden. Im Zentrum steht dabei die innere Entwicklung der drei Hauptfiguren.

Girl Cave wurde von funk, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF, produziert und ab Mai 2017 auf einem eigenen YouTube-Kanal online gestellt. Die Folgen sind zwischen zehn und 15 Minuten lang, die Serie hat also insgesamt die Dauer eines Spielfilms. Dennoch bekommt man das Gefühl, eine lange und intensive Zeit mit den drei Mädchen verbracht zu haben. Das hat auch mit der Inszenierung zu tun: Es werden viele nahe Kameraeinstellungen verwendet, wodurch die Zuschauenden von Beginn an einen Zugang zu den Figuren bekommen. Da stört es auch nur bedingt, dass einige Dialoge etwas hölzern klingen — was vor allem damit zu tun hat, dass die drei Schauspielerinnen an Schulen gecastet wurden und über keinerlei Erfahrungen vor der Kamera verfügten. Wichtiger ist ohnehin die sentimental-verträumte Grundstimmung, die durch den Einsatz der Musik noch unterstrichen wird. So läuft etwa im Hintergrund The Wind von Cat Stevens, wenn Caro, Julija und Zada in der dritten Folge einen Drachen steigen lassen — ein Song, der FilmliebhaberInnen aus Cameron Crowes Almost Famous (2000) vertraut sein dürfte, einem der großen amerikanischen Coming-of-Age-Filme des jüngeren Hollywood-Kinos. 

In Girl Cave wird die Monotonie des Dorflebens geschildert und gleichzeitig deutlich gemacht, dass man sich den Alltag selbst gestalten muss. Am Ende haben die drei Mädchen eine Nacht im Wald überlebt, also überstehen sie auch die elfte Klasse. Zwar verändern sie sich innerhalb der acht Folgen nicht grundlegend und sind am Ende noch immer verletzlich und gleichzeitig selbstbewusst, aber das Freundschaftsband ist enger geworden, sie sind als Team noch stärker. Diesen Mädchen wird auch in Zukunft nicht langweilig werden, denn sie haben sich. Und das ist das Wichtigste, wenn man auf einem Dorf im deutschen Niemandsland aufwächst. 

Das Format von Girl Cave spricht vor allem Mädchen und junge Frauen an, die mit Caro, Julija und Zada Identifikationsfiguren an die Hand bekommen. Laut Aussage des Produktionsteams (s. Instagram-Profil von Girl Cave) werfen Filme und Serien seit Jahrzehnten einen genauen Blick auf den Schmerz des männlichen Erwachsenwerdens, wobei Mädchen in diesen Stoffen oft auf Stereotype reduziert bleiben — letzterem möchte Girl Cave etwas entgegensetzen. Das ist zwar zugespitzt formuliert, denn natürlich gibt es auch Filme, die sich zentral mit den Problemen der weiblichen Adoleszenz beschäftigen, aber in der Tendenz stehen traditionell tatsächlich männliche Figuren im Zentrum von Coming-of-Age-Geschichten.  

Wer noch tiefer in die Welt der drei Mädchen eintauchen mag, kann das auf verschiedenen Kanälen tun. Auf Instagram und tumblr kann man sich zum Beispiel die Musik aus der Serie anhören oder sich Fotos und Illustrationen anschauen, die direkt oder indirekt mit der Serie zu tun haben. 

Fazit

Girl Cave ist eine insgesamt gelungene und lebensbejahende Coming-of-Age-Serie, die das Gefühl der Jugend in der deutschen Provinz auch in die Jugendzimmer deutscher Großstadtkinder bringt und vor allem Mädchen ab zwölf Jahren anspricht.

Titel: Girl Cave
Genre: Jugendserie: Coming of Age, Komödie
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2017
Dauer: 10-15 Minuten pro Episode (8 Episoden in der 1. Staffel)
Altersfreigabe (FSK): keine Einschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 26.05.2017
Regie: Till Kleinert, Rüdiger Kleeberg
Drehbuch: Alexandra Schulz, Felix Ließ, Christian Alt, Arthur Hoerl und Memo Jeftic
Kamera: Nic Reed Middleton
Showrunner und ausführender Produzent: Memo Jeftic
Darsteller: Fine Kroke (Julija), Yasmin Slama (Zada), Maja Lindner (Caro), Heiko Pinkowski (Julijas Vater)
Altersempfehlung: ab 12 Jahren geeignet

 

Erstveröffentlichung: 20.11.2017


catchme refresh
Joomla Extensions powered by Joobi

Veranstaltungen

Oktober 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3