von Swantje Geffken

Ashi Danza! Der im Jahre 2009 erschienene Disney-Zeichentrickfilm Küss den Frosch ist eine außergewöhnliche Adaption des Froschkönigs der Gebrüder Grimm. Statt in einer typischen Märchenkulisse findet das Abenteuer der beiden Protagonisten Tiana und Prinz Naveen im New Orleans der 1920er Jahre statt.

Inhalt

Tiana (engl. Synchronstimme: Anika Noni Rose) träumt bereits seit ihrer Kindheit davon, zusammen mit ihrem geliebten Vater ein glamouröses Restaurant zu eröffnen. Hartnäckig versucht das Mädchen, dieses Ziel auch nach dem Tod des Vaters. In ihrer Heimatstadt New Orleans, in der die Geschichte beginnt, arbeitet die inzwischen erwachsene Tiana schon einige Jahre als Kellnerin, um das nötige Geld für ihr Restaurant zu sparen.

Eines Tages kommt Prinz Naveen aus Maldonien (Bruno Campos) in die Stadt. Der charmante, aber naive Lebemann ist auf Anraten seiner Familie zusammen mit seinem Diener Lawrence (Peter Bartlett) nach New Orleans gekommen, um mittels einer Vermählung mit der wohlhabenden Charlotte LaBouff (Jennifer Cody) wieder an Geld zu gelangen. Der freiheitsliebende Prinz allerdings möchte sich noch nicht fest binden. Um der Heirat zu entkommen, lässt er sich auf einen Pakt mit dem zwielichtigen Dr. Facilier (Keith David), auch Schattenmann genannt, ein. Naveen wird von Facilier reingelegt und mit einem Voodoozauber in einen Frosch verwandelt.

Am Abend darauf trifft Tiana zufällig Prinz Naveen auf einem Fest. Verzweifelt durch ihre finanzielle Notlage küsst sie den Frosch. Aber anstatt dass Naveen wieder seine Prinzengestalt erhält, wird Tiana ebenso in einen Frosch verwandelt. Nun machen sich die beiden auf die Suche nach jemandem, der den Voodoozauber brechen und sie wieder in Menschen zurückverwandeln kann. Dabei werden sie von den sehr speziellen und lustigen Bewohnern des Bayou begleitet, darunter das melancholische Glühwürmchen Ray (Jim Cummings) und der jazzbegeisterte Alligator Louis (Michael-Leon Wooley).

Verleih: Disney

Kritik

Die Geschichte des Froschkönigs wird in einen realen historischen Kontext gesetzt: die amerikanische Stadt New Orleans in den 1920er Jahren. Die reale Welt wird mit phantastischen Elementen (sprechende Tiere, Voodoozauber) vermischt. Der Rezipient lernt in dem Film einige regionale und kulturelle Besonderheiten aus jener Zeit kennen. Die amerikanische Jazzmusik, welche in den 1920er Jahren eine Hochphase erlebte, ist ein zentrales Element des Films. Zusammen mit den schwungvollen musikalischen Einlagen wird auch das mit dieser Musik verbundene Lebensgefühl der Stadtbewohner dargestellt, Die Figuren Naveen und Louis thematisieren Jazzmusik als ihre gemeinsame Leidenschaft. Weiterhin erfährt der Zuschauer etwas über die Esskultur (Gumbo= traditionelles Gericht in New Orleans), die Natur in den Südstaaten (die Sümpfe, der Bayou) und Feierlichkeiten (Mardi Gras). Sprachliche Besonderheiten, wie der lustige, französische Akzent des Glühwürmchens Ray und weitere französische Namen (LaBouff, Facilier) sind ein Hinweis auf die französischen Einflüsse auf New Orleans seit der Kolonialzeit.

In Küss den Frosch sind die Hauptfiguren keine eindimensionalen Typen. Sie erfüllen nicht Klischees, die in Märchen häufig bedient werden und unsere Vorstellungen über die Figuren prägen. Tiana zum Beispiel entspricht nicht dem weit verbreiteten Bild einer Märchenprinzessin (blond, melancholisch, im glitzernden Ballkleid gehüllt und auf einen Prinzen wartend), sondern ist eine bodenständige, selbstbewusste Frau aus der Arbeiterklasse mit dunkler Hautfarbe. Im Kontrast hierzu werden der wohlhabenden und ganz und gar oberflächlichen Freundin Charlotte LaBouff die typischen Prinzessineneigenschaften zuteil; und dies auf eine so stark parodistische, überspitzte Art, die den Zuschauer schmunzeln aber keinesfalls Sympathie für diese Figur empfinden lässt. Hier besteht also die Möglichkeit eines Perspektivwechsels, um vertraute Stereotypen in Frage zu stellen.

Tiana und Prinz Naveen haben beide sehr gegensätzliche Vorstellungen über ihre Lebensart. Nicht selten ist Tiana von Naveens mangelndem Verantwortungsgefühl genervt. Naveen hingegen hält Tiana für zu verbissen und langweilig. Sie erleben aber in ihrer gemeinsamen Krise, welchen Wert der Zusammenhalt und die Freundschaft hat und dass Gegensätze sich durchaus anziehen können.

Fazit

Der Zeichentrickfilm Küss den Frosch richtet sich nicht nur an eine kleine Zielgruppe von Zuschauern. Dadurch, dass er die zeitlosen Themen Freundschaft, Zusammenhalt und innere Werte aufgreift und die Gender-Klischees aufhebt, ist der Film sowohl für Kinder als auch Erwachsene beider Geschlechter ansprechend.

Die Geschichte geht weit über den Stoff des Froschkönigs hinaus. Die vielfältigen Charaktere und die ungewöhnliche Kulisse, in der Elemente des Märchens platziert wurden, lassen schon beinahe die Grimm'sche Version in Vergessenheit geraten und machen den Film zu einem eigenständigen Kunstwerk. Die zahlreichen spannenden, intertextuellen Bezüge geben Anlass, sich eingehender mit den Details des Films zu befassen.

 

Titel: Küss den Frosch
Originaltitel: The Princess and the Frog
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
Dauer: 97 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 10.12.2009
Verleih: Walt Disney
Einspielergebnis: unbekannt
Regisseur: Ron Clements, John Musker
Drehbuch: Ron Clements, John Musker u.a.
Synchronstimmen (englisch- und deutschsprachig): Tiana: Anika Noni Rose / Cassandra Steen; Tiana als Kind: Elizabeth M. Dampier / Valerie Ceraolo; Prinz Naveen: Bruno Campos / Roger Cicero; Dr. Facilier: Keith David / Thomas Nero Wolff (Sprechstimme), Thomas Amper (Gesang); Mama Odie: Jenifer Lewis / Marianne Rosenberg; Louis: Michael-Leon Wooley / Bill Ramsey; Ray: Jim Cummings / Robert Missler; Eli LaBouff (Big Daddy): John Goodman / Walter von Hauff; Charlotte LaBouff: Jennifer Cody / Farina Brock; Charlotte als Kind: Breanna Brooks / Sophia Kronenwett; Eudora: Oprah Winfrey / Madeleine Stolze; James: Terrence Dashon Howard / Ole Pfennig
Kamera: Michael Fitzgerald
Musik: Randy Newman u.a.
Schnitt: Jeff Draheim
Produzent: Peter Del Vecho

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