von Sarah Aßmann

Den Weihnachtsmann als Papa haben – das wäre schon toll. Klar, dass man dann auch in seine Fußstapfen treten würde, oder? Das sieht der echte Sohn des Weihnachtsmannes anders. Viel lieber würde er die Ostergeschenke bringen. Doch von dieser Idee ist seine Familie nicht sehr begeistert.

Kling, Marc-Uwe (Text); Henn, Astrid (Bild): Der Ostermann.
Carlsen, Hamburg, 2017.
48 Seiten, 12,99 €
ISBN 978-3-551-51935-1.
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

Der Sohn des Weihnachtsmannes will nicht in dessen Fußstapfen treten, wenn er einmal groß ist. All die Dinge, die mit Weihnachten verbunden sind, wie Schlittenfahren, Schnee und sogar die Zwerge, findet er doof. Stattdessen sehnt er sich den Frühling herbei, mit den blühenden Blumen, der Sonne und vor allen Dingen: dem Osterfest. Daher wünscht er sich, die Ostergeschenke verteilen zu dürfen. Seine Eltern sind von dieser Idee nicht begeistert. Sie reagieren wütend und mit Unverständnis. Doch der Sohn gibt nicht auf. Mit guten Argumenten und zuletzt mit einer kleinen List, bekommt er, was er will, und wird später zum Ostermann.

Kritik

Das Buch Der Ostermann von dem bekannten Autor Marc-Uwe Kling, der auch die Känguru -Trilogie geschrieben hat, die aktuell in den Kinos läuft sowie das Bilderbuch Das Nein-Horn, ist mit viel Humor verfasst. Die komplette Geschichte ist in Reimform erzählt. Dabei sind die Reime mal länger, mal kürzer, sodass es nicht eintönig wird. Das Thema, dass der Autor in seinem Buch aufgreift, ist ein alt bekanntes, aber immer noch aktuelles. Er beschreibt die Situation, dass Kinder in die Fußstapfen der Eltern treten sollen, egal ob sie wollen oder nicht. Dadurch, dass dieses Szenario auf eine so beliebte Figur wie den Weihnachtsmann projiziert wird, wirkt das Thema neu und interessant. Die Reime verleihen dem durchaus ernsten Thema eine leichte und humorvolle Seite. Damit vermittelt das Buch seinen Inhalt kindgerecht. Auch der eigentliche Text greift Klischees auf und enttarnt diese.
So fragt der Sohn seine Mutter, als diese ihm die Tradition als verpflichtend darstellt:

"Ich bin doch kein dummes Huhn!
Soll ich was tun, nur weil's alle tun?
Willst du deinem Sohn beibringen,
weil's alle tun, vom Turm zu springen?" (o.S.)

Dabei wird geschickt darauf eingegangen, dass man nicht alles tun soll, was andere machen. Gerade dann nicht, wenn der Grund sinnlos erscheint oder die Sache sogar unvernünftig ist. Auch wird nach den Gründen gefragt, weshalb der Sohn unbedingt auch Weihnachtsmann werden muss, wenn er nicht will. Dass es hierbei keine gute Erklärung gibt wird in einem anderen Reim deutlich:

"Wofür du keine Gründe kennst,
ist's, was du Traditionen nennst!" (o.S.)

Da sich sowohl der Weihnachtsmann als auch seine Frau weiterhin uneinsichtig zeigen, greift der Sohn schließlich zu einer List. Indem er sich von seinem Vater wünscht, Ostermann zu werden, zwingt er ihn sozusagen zu der Erfüllung seines Traumes. Denn der Weihnachtsmann muss alle Wünsche der Kinder erfüllen. Am Ende des Buches sieht man den nun erwachsenen Sohn, der tatsächlich Ostermann geworden ist. Auch auf die Frage, wer denn nun die Weihnachtsgeschenke bringt, hat der Autor eine witzige Antwort: der Hase. Schade ist jedoch, dass der Sohn nur mit Hinterlistigkeit seinen Willen bekommen konnte und nicht durch einsichtige Eltern. Hierbei könnte den kleinen Lesern und Leserinnen fälschlicherweise vermittelt werden, dass man sich nicht um eine Einigung bemühen sollte. Auch, wie die Eltern schlussendlich zu dem Ausgang der Geschichte stehen, bleibt offen.
Weiterhin sind viele Anspielungen und Parallelen zur realen Welt in dem Buch zu finden, die es kritisch zu betrachten gilt. Facebook, Likes, Mindestlohn und die 35-Stunden-Woche finden Erwähnung. Für die Eltern, die die Geschichte vorlesen, sind diese witzig und bringen sie zum Schmunzeln. Die kleinen Zuhörer und Zuhörerinnen jedoch können mit diesen Begriffen noch nichts anfangen. Hier wurde die Zielgruppe ein wenig aus den Augen verloren. Ein gewisses Unverständnis und Verwirrung rühren zudem von der Tatsache, dass der Weihnachtsmann als schlechter "Arbeitgeber" dargestellt wird, der seine Wichtel ausnutzt und unfair behandelt. Ein Grund, weshalb der Autor den Weihnachtsmann so darstellt, ist nicht ersichtlich.
Die Illustrationen von Astrid Henn, mit denen das Buch zahlreich ausgestattet ist, sind passend zu den humorvollen Reimen gestaltet. Der Stil weist einen gewissen Comic-Charakter auf. Die Figuren sind einfach gehalten, ohne dabei an Details einzubüßen. Fantasievolle und lustige Charaktere, wie Hühner, die Schlittschuh laufen, oder Rentiere auf zwei Beinen, bringen sowohl Zuhörer und Zuhörerinnen als auch die Erwachsenen zum Schmunzeln. Zudem wird nicht nur das widergespiegelt, was der Text schon erzählt. Die Illustrationen gehen darüber hinaus, sodass es viel zu entdecken gibt. Doch auch hier finden sich Anspielungen auf Themen, die Kinder noch nicht verstehen können und in einem Bilderbuch etwas fehl am Platz wirken. Wichtel verlangen auf Schildern nach "mehr Weihnachtsgeld" (o.S.) und das Huhn will sein Recht auf sein Ei geltend machen. Diese Anspielungen sind durchaus amüsant für die großen Leser und Leserinnen, für die eigentliche Zielgruppe aber nicht geeignet.

Fazit

Das Buch von Marc-Uwe Kling räumt auf humorvolle Weise mit einigen Klischees auf. Die Reime sind lustig und abwechslungsreich, ebenso wie die Illustrationen von Astrid Henn. Viele Anspielungen, die eher in die Arbeitswelt passen, wirken jedoch fehl am Platz und sind nicht zum Vorlesen ab vier Jahren geeignet. Diese Themen sollte man mit älteren Kindern, eventuell ab sechs Jahren, kritischer diskutieren. Auch das offene Verhältnis zwischen Sohn und Eltern am Ende des Buches hätte aufgeklärt werden können.
Trotzdem bleibt es eine Geschichte, die es sich vorzulesen lohnt und die vor allem auch die Erwachsenen mit ihrem Inhalt anspricht.

Erstveröffentlichung: 31.3.2020


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