von Dr. phil. Inger Lison

John Green (* 1977) ist ein amerikanischer Autor, dem mit dem 2005 erschienenen Roman Looking for Alaska (dt. Eine wie Alaska) der internationale Durchbruch gelang. Mit dem 2012 publizierten Roman The Fault in Our Stars (dt. Das Schicksal ist ein mieser Verräter), etablierte er sich als einer der Vorreiter der "Sick-Lit", die Krankheitsmotive nicht mehr als Vehikel für Betroffenheitsliteratur behandelt. Green ist zudem ein erfolgreicher Literaturkritiker, Videoblogger, Filmproduzent und Podcaster, dessen hohe Präsenz im Internet und in den Social Media zu seinem Erfolg als Romanautor beigetragen hat.

Quelle: John Green appearing in the Vlogbrothers video "47 YouTubers Laugh Without Smiling" in April 2016 (CC BY 3.0, gemeinfrei)

Biografie

John Michael Green wurde am 24.08.1977 in Indianapolis/USA geboren (vgl. Abb. 1). Zusammen mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Hank (*1980) wuchs er in Orlando (Florida) auf. Er besuchte die Indian Springs School in Birmingham (Alabama). An dem renommierten Kenyon College in Gambier/Ohio studierte er Theologie und Literaturwissenschaft mit dem Ziel, Priester zu werden (vgl. Möbius 2015, S. 12, 13). Bereits während seiner Arbeit als Seelsorger an einem Krankenhaus revidierte er jedoch seinen Berufswunsch:

Ich konnte all das abends nicht hinter mir lassen, um am nächsten Tag mit neuem Mitgefühl zurückzukehren. Ja, ich wusste: Die Welt ist launenhaft, aber ganz unmittelbar zu erfahren, was das heißt, ist etwas anderes, als es theoretisch zu wissen. (Green zit. n. Staas 2012).

So begann John Green schließlich, Jugendbücher zu schreiben.

Mit Looking for Alaska gab er im Jahr 2005 sein viel beachtetes Romandebüt. Parallel dazu gründete er zusammen mit seinem Bruder Hank im Jahr 2007 den Videoblog Brotherhood 2.0 (jetzt vlogbrothers) auf YouTube. Dabei ging es anfangs eigentlich nur um den täglichen Austausch der beiden Brüder zu bestimmten Themen mittels kurzer Videobotschaften, die jedoch mit zunehmender Zeit eine wachsende Fangemeinde im Internet mitverfolgte. Mittlerweile weist das Portal knapp 3.000.000 Abonnenten (Stand März 2017) auf. Aus dieser Fangemeinde hat sich – auch auf Initiative der Greens hin ̶ die Nerdfighters-Community (www.nerdfighteria.com) herausgebildet, welche sich das oftmals in den Crash Course-Videos erwähnte Motto "Don’t forget to be awesome" (DFTBA) der Geschwister zu eigen gemacht hat und u.a. gemeinnützige und wohltätige Projekte realisiert.

Abb. 2: Screenshot der Startseite von thecrashcourse.com

Neben vlogbrothers starteten die Brüder 2011 ebenfalls auf Youtube den Lernkanal Crash Course (vgl. Abb. 2). Getreu dem Motto "Lernen soll Spaß machen", haben die beiden Brüder zehn- bis fünfzehnminütige Videos zu ihren Spezialwissensgebieten Amerikanische Geschichte, Weltgeschichte, Englische Literatur (John) und Biologie, Ökologie und Chemie (Hank) kreiert. In den vergangenen Jahren kamen noch weitere Fächer wie beispielsweise Philosophie und Psychologie hinzu. Seit 2017 wurden das Themenspektrum auf Mythologie, Computerwissenschaften, Soziologie etc. erweitert. John Green zufolge kann man sich diese Lernvideos aus reinem Interesse oder in Vorbereitung auf eine Prüfung ansehen. Die Brüder ermuntern ebenfalls Lehrer(inn)en, die Videos im Unterricht einzusetzen, was tatsächlich auch in einigen amerikanischen High Schools praktiziert wird. Beliebt ist der Kanal mit derzeit 5,7 Mio. Abonnenten (Stand März 2017) wohl auch aufgrund seiner Form der Wissensvermittlung: mit schnellen Schnitten, farbigen Einspielungen, musikalischer Untermalung und sprachlich flott vermittelten, jederzeit abrufbaren Bildungsinhalten erreichen John und Hank Green und das mittlerweile um fünf Personen erweiterte "Lehrerteam" jugendliche und erwachsene Adressaten gleichermaßen.

Mittlerweile lebt Green mit seiner Frau und seinen beiden Kindern wieder in Indianapolis.

Werk

John Greens bislang vier Romane und zwei Kurzgeschichten umfassendes Werk wurde in 55 Sprachen übersetzt und weltweit ca. 24 Millionen Mal verkauft. Green schreibt in Ich-Erzählungen durchweg aus der Perspektive von männlichen oder weiblichen Jugendlichen, die oftmals ihren Platz innerhalb der Peer-Group oder Gesellschaft finden müssen und die sich mit alltäglichen während der Adoleszenz auftretenden Problemen und Schwierigkeiten, aber auch ersten Erfahrungen (erster Kuss, erste Liebe, erster Sex, Verlust) auseinandersetzen müssen (vgl. Green, zit. nach Staas 2012). Seine Romane können daher der realistischen Jugendliteratur zugeordnet werden. Die Figurenkonstellation innerhalb der Romane ähnelt sich: In drei Romanen sind seine männlichen Figuren Außenseiter bzw. Nerds, die sich hoffnungslos in eine geheimnisvolle, zum Teil unnahbare Mitschülerin oder Nachbarin verlieben. Im weiteren Handlungsverlauf wird u.a. der Versuch dargestellt, hinter die Fassade dieser "femme fatale" zu blicken. Greens Frauenfiguren sind starke, schlagfertige Charaktere. In The Fault in Our Stars wird aus der weiblichen Perspektive erzählt. Green begründet seine Ausgestaltung der weiblichen Hauptfiguren biographisch:

All diese Figuren ähneln Mädchen und jungen Frauen, die für mich in meiner Highschool- und Collegezeit wichtig waren, die ich angehimmelt habe. Frauen, die schlau waren und leidenschaftlich und kämpferisch. (Green, zit. n. Staas 2012).

Zudem sind seine Figuren häufig leidenschaftliche Leser(inn)en:

Und ich liebe es, über Leser zu schreiben. Menschen, die lesen, haben eine so reiche Beziehung zur Welt. Sie betrachten das Leben nicht nur durch ihre eigenen Augen, sondern auch durch die Augen all derer, über die sie gelesen haben. (Green zit. n. Staas 2012).

Mittlerweile genießt Green unter Jugendlichen weltweit einen Kultstatus und wird als "Popstar des Jugendliteraturbetriebes" (vgl. Huber 2012) beschrieben. Wo er auch auftritt, überall stehen die Jugendlichen Schlange, um seinen Lesungen beizuwohnen.

Mit dem 2005 erschienenem Roman Looking for Alaska (dt. Eine wie Alaska, 2007) gibt John Green sein international beachtetes Romandebüt, das auf mehreren Bestsellerlisten (z.B. Top 10 Best Book for Young Adults (2006), Teens Top 10 Award (2006)) vertreten war. Zudem wurde Green für sein Erstlingswerk 2006 mit dem begehrten Michael L. Printz Award ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: "First-time author John Green writes with intimacy, humor, and insight about a world where intense friendship can lead to devastating loss" (Cart 2006). Im deutschen Rezeptionsraum wurde sein Roman im Jahr 2008 gleich zweifach für den Deutschen Jugendliteraturpreis (Nominierung in der Sparte Jugendbuch und von der Jugendjury) nominiert, gut 309.000 Exemplare wurden allein in Deutschland verkauft. Looking for Alaska handelt von dem 16-jährigen Außenseiter Miles, der ein Faible für die letzten Worte berühmter Persönlichkeiten hat. Freiwillig wechselt dieser auf "der Suche nach dem großen Vielleicht" von seiner ungeliebten Highschool auf das Internet in Culver Creek. Ein unerwarteter Schritt, den er seinen Eltern mit den Worten Francois Rabelais zu erklären versucht (vgl. Green 2007, S. 9). Dort verliebt er sich am ersten Tag in die extrovertierte, hübsche und belesene Alaska Young, die über Simón Bolívars Abschlussbemerkung "Wie komme ich bloß aus diesem Labyrinth heraus?" (vgl. Green 2007, S. 26) sinniert. Zusammen mit ihren Freunden, dem Colonel und Takumi, weist sie Miles in die Geheimnisse des (Internats-)Lebens und in die Liebe ein. In der Nacht, in der Alaska Miles zum ersten Mal küsst, stirbt diese bei einem Autounfall. War es Selbstmord oder tatsächlich ein Unfall? Mit dieser Ungewissheit müssen die schockierten Freunde versuchen, ihr Leben wieder aufzunehmen.

Ein Jahr später erscheint An Abundance of Katherines (dt. Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)), das es wiederum auf die Liste der Michael Printz Honor Books des Jahres 2007 schaffte. Der mathematisch hochbegabte Colin verliebt sich ausschließlich in Mädchen mit dem Namen Katherine. Nach 19 gescheiterten Beziehungen nimmt ihn sein bester Freund Hassan mit auf einen Road-Trip quer durch Amerika, der Colins Leben gehörig auf den Kopf stellt. Während der dabei nämlich eine mathematische Formel erstellen möchte, die die Zukunft jeder Beziehung zuverlässig vorhersagen kann, lernt er Lindsey kennen und lieben. Greens zweiter äußert humorvoller und pointierter Roman hat bislang die meiste Zustimmung seitens der erwachsenen Vermittler erhalten.[1] Im deutschen Rezeptionsraum jedoch ist An Abundance of Katherines der Roman mit den wenigstens verkauften Exemplaren (ca. 76.000 Exemplare).

Im Jahr 2008 publizierte John Green seinen dritten Roman Paper Towns (dt. Margos Spuren (2008)). Der deutsche Titel, der ja keine Übersetzung des Originals darstellt, war einer der vielen Vorschläge Greens für den amerikanischen Titel. Aufgrund der im Roman mehrfach verwendeten Formulierung "Paper Towns" entschieden sich Green und das Lektorenteam letztendlich für diesen Titel. Zur weiteren Auswahl standen beispielweise "More light than heat", "The life and hard times of Margo Roth Spiegelman","Chasing Margo" und "Margo Roth Spiegelman: an incomplete life".[2] Aus der Perspektive des jugendlichen Außenseiters Quentin Jakobsen, genannt Q, wird dessen Schwärmerei bzw. Obsession zu seiner hübschen, aber auch exzentrischen Nachbarin Margo beschrieben. Diese beiden Teenager verbindet ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Kindheit, nämlich der Fund einer Leiche auf dem benachbarten Spielplatz. Etliche Jahre später kreuzen sich ihre Wege erneut, als Margo einfach in Quentins Zimmer auftaucht und ihn auffordert, mit ihr zusammen an einem Rachefeldzug gegen ehemalige Freunde mitzuwirken. Nach diesen immer am Rande des Legalen kreisenden "Mutproben", die gleichzeitig eine willkommene Abwechslung von Quentins eintönigem Alltag darstellen, verschwindet Margo plötzlich und hinterlässt in Quentin eine noch schlimmere Leere. Zusammen mit Freunden macht sich Q auf die Suche nach ihr quer durch Amerika, wobei sie den Spuren von Margo folgen. Dabei gerät Quentins Bild, das er sich bisher von seiner angehimmelten Nachbarin gemacht hat, zunehmend ins Wanken. Wer ist Margo, der "Mensch hinter der Maske" (vgl. Spreckelsen 2010), wirklich? Die Resonanz auf Greens dritten Roman war durchweg positiv. Dieser war in der New York Times Bestseller Liste auf dem 5. Platz vertreten, zudem wurde das Buch 2009 mit dem Edgar Award für Best Young Adult Mystery ausgezeichnet. Auch mit Paper Towns wurde Green von der Jugendjury 2011 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und zudem mit der Corine ausgezeichnet. Der Roman verkaufte sich in Deutschland knapp 260.000 Mal und scheint zudem das Interesse der jugendlichen Leser zu wecken, den darin thematisierten Gedichtzyklus Leaves of Grass von Walt Whitman zu rezipieren (vgl. Green, zit. n. Goldmann 2015). Als zweiter Roman Greens wurde Paper Towns mit Cara Delevingne und Nat Wolff in den Hauptrollen verfilmt.

Ebenfalls 2008 erschien Greens weihnachtliche Kurzgeschichte A Cheertastic Christmas Miracle (dt. Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder) in der "Anthologie" Let it snow. Three Holiday Romances (dt. Tage wie diese). Zusammen mit den Kurzgeschichten der Autorinnen Maureen Johnson (The Jubilee Express (dt. Der Jubilee-Express)) und Lauren Myracle (The Patron Saint of Pigs (dt. Der Schutzheilige der Schweine)), die das Motiv des Schneesturms, Weihnachten, Freundschaft und Liebe und den Handlungsort gemeinsam haben, kreiert das Trio drei voneinander unabhängige, aufgrund einiger Gemeinsamkeiten jedoch auch zusammenhängend lesbare Geschichten.

Die Idee des gemeinsamen Schreibens ist nicht neu und Green bleibt ihr treu. So veröffentlichte er zusammen mit dem amerikanischen Autor David Levithan 2010 den Jugendroman Will Grayson, Will Grayson (dt. Will & Will (2012)). Levithan wurde mit Erzählungen wie Letztendlich sind wir dem Universum egal, Two Boys Kissing und Letztendlich geht es nur um dich bekannt. Will Grayson, Will Grayson erzählt aus wechselnder Perspektive der beiden in Chicago lebenden Hauptfiguren, die denselben Namen (Will Grayson) tragen und deren Lebenswege sich schließlich in einem Sexshop kreuzen. Zwischen den beiden ungleichen 17-Jährigen entwickelt sich eine Freundschaft. Sie helfen sich gegenseitig, ihre pubertären Probleme zu meistern.

Die Idee für diese Zusammenarbeit stammt von Levithan. Green startete mit Kapitel eins und schrieb die ungeraden Kapitel, während Levithan die gradzahligen Kapitel verfasste. Die Figuren entwickelten die Autoren unabhängig voneinander, sie merkten aber schnell, dass es genügend Berührungspunkte zwischen den beiden Jungen gab, um eine kohärente Handlung entwickeln zu können. Lediglich an wenigen Vorgaben orientierte sich das Autorenduo während des Schreibprozesses, wie beispielweise den Namen der beiden Hauptcharaktere, die Dauer der erzählten Zeit und den Ort, an dem die beiden Wills aufeinandertreffen sollten, ansonsten waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Über ein Jahr lang trafen sich die beiden Verfasser in Greens New Yorker Wohnung, um sich einzelne Kapitel abwechselnd gegenseitig vorzulesen.[3] Ebenso lange dauerte auch der Überarbeitungsprozess, bis schließlich die endgültige Fassung vorlag. So entstand schließlich ein an die mündliche Erzähltradition angelehnter Roman, der Themen wie Freundschaft, Enttäuschungen, Außenseitertum und Homosexualität in einer für Jugendliche ansprechenden Erzählweise aufgreift und in dem u.a. intertextuelle Bezüge zu David Foster Wallace's Infinite Jest zu finden sind.

Abb. 3: Cover von John Green: The Fault in Our Stars

John Greens 2012 zeitgleich in den USA und Deutschland erschienener vierter Roman The Fault in Our Stars (vgl. Abb. 4) gilt bis dato als sein erfolgreichstes Werk. Streng genommen stellt dieser eigentlich sein Erstlingswerk dar. Über zehn Jahre hat er an diesem Roman gearbeitet und die Arbeit an diesem zeitweise unterbrochen, weil er nicht vorankam. Dabei hasst er Krebsbücher, wie er nicht müde wird zu betonen (vgl. Green in Staas 2012). Es stellt zudem sein persönlichstes Buch dar, welches er Esther Earl gewidmet hat, ein den sogenannten Nerdfightern angehörendes Mädchen, welches an Krebs erkrankte und mittlerweile verstorben ist. Green stand im engen Kontakt zu Earl. Daher scheint es nicht verwunderlich, dass die weibliche Hauptfigur Hazel Lancaster, aus deren Perspektive auch die Handlung geschildert wird, in dem Roman bestimmte Wesensmerkmale von Esther Earl aufweist (vgl. Hauck 2012). Die 16-jährige Hazel Grace Lancaster ist an Schilddrüsenkrebs im Endstadium erkrankt. Um ihre Depressionen zu mildern, nimmt sie auf Anraten ihrer Mutter an einer Selbsthilfegruppe teil. Dort lernt sie Augustus Waters, genannt Gus, kennen und lieben. Diesem wurde aufgrund eines Osteosarkoms der Unterschenkel amputiert; er gilt aber als geheilt. Die beiden verlieben sich ineinander, trauen sich aber aufgrund der Endlichkeit ihres Lebens keine Liebesbeziehung zu. Die schwer erkrankten Protagonisten reflektieren sehr gefasst, philosophisch anmutend über ihren Krankheitszustand und tauschen sich über das Leben, die Liebe, ihre Umwelt und (k)ein Leben nach dem Tod aus. Hartmut El Kurdi drückt es treffend aus, wenn er schreibt:

Egal, ob die beiden sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten, telefonieren oder schnell ein paar Sätze simsen, egal ob sie sich gegenseitig aus ihrem Leben erzählen oder ihre mitleidige, hilflose Umwelt kommentieren – die Dialoge sind stets ebenso komisch, wie existenziell. Kein Small Talk, kein Geplapper, sondern kluger, witziger Schlagabtausch, verspielte halb philosophische Betrachtungen oder sarkastische, aber nie zynische Anmerkungen zum Alltag. Oft in einer Pointe endend. Wobei diese Pointen keine schlichten Gags sind, sondern originelle Zuspitzungen der Wahrheit. (El Kurdi 2012).

Wieder ist es die Literatur, die für die Protagonisten eine wichtige Rolle spielt. Hazels sehnlichster Wunsch ist es, den niederländischen Autor Peter von Houten zu treffen, um ihn über das Ende seines Romans Ein herrschaftliches Leiden auszufragen. Gus erfüllt ihr den Wunsch. Auf der Reise nach Amsterdam erleben die beiden ihren ersten Geschlechtsverkehr, werden von dem Autor auf das Übelste beschimpft und Gus gesteht, dass sich in seinem Körper Metastasen ausgebreitet haben. Hazel bleibt bis zu seinem Tod an Gus' Seite.
Trotz dieser tragischen Handlung ist The Fault in Our Stars sowohl bei Jugendlichen als auch Erwachsenen sehr beliebt: Der Roman war auf Platz 1 der "New York Times"-Bestsellerliste und wurde vom "Zeit Magazin" auf Platz 1 in der Kategorie Fiction Book 2012 gewählt. Von der Jugendjury wurde das in Deutschland über 1.316.000 Mal verkaufte Buch 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zudem wurde es 2012 mit dem Luchs des Monats Oktober prämiert. The Fault in Our Stars wurde 2014 von dem Regisseur Josh Bone verfilmt. Die Hauptrollen wurden mit den Newcomern Shailene Woodley, Ansel Elgort und Nat Wolff besetzt. John Green war sowohl bei der Auswahl der Schauspieler als auch während der Filmarbeiten am Set zugegen.

Populärrezeption

Bereits mit seinem Debüt Looking for Alaska gelang Green international der Durchbruch als Jugendbuchautor. Sein Bekanntheitsgrad wuchs mit jeder weiteren Publikation, auch dank seiner geschickten Selbstvermarktung im Internet. So versprach er beispielweise, alle vorbestellten Exemplare seines Buches The Fault in Our Stars zu signieren. Green hielt Wort und signierte knapp 150.000 Romane (vgl. Luef 2014). Auch ein geschickt platzierter Hinweis in einem seiner Videos, dass er in der DVD-Kaufversion der Filmadaption The Fault in Our Stars in einer Szene mitspielt, kurbelte innerhalb der Fangemeinde den Verkauf der DVD an.

Dass Green bei Jugendlichen so beliebt ist, mag jedoch auch darauf zurückzuführen sein, dass er diese ernst nimmt:

Viele halten Teenager für Mängelwesen mit geringeren intellektuellen und geistigen Fähigkeiten. Das halte ich für Blödsinn. Teenager lesen große Romane der Weltliteratur in der Schule, sie lernen in der Mathematik und in der Physik, hochabstrakt zu denken. Was ihnen fehlt, ist die Erfahrung, die wir als Erwachsene haben – einfach weil Jugendliche noch nicht so viel Zeit hatten, sie zu machen. Wir Erwachsenen gelangen durch unsere Erfahrungen meist zu irgendeiner Art von Stabilität, um den Preis, dass wir allzu oft ironisch und zynisch werden. Das fehlt Teenagern. Sie erleben einfach so viele erste Male, und ich finde, wir können sogar von ihnen lernen: Idealismus, Enthusiasmus und das manchmal fast schutzlose Hineinversetzen in andere, zu dem Teenager in der Lage sind. (Green, zit. nach Staas 2012)

Des Weiteren zeigt seine Biographie, dass auch Außenseiter letztendlich ihren Platz in der Gesellschaft finden, akzeptiert werden und erfolgreich sein können.

Green wird vom Feuilleton aber nicht ausschließlich als erfolgreicher Jugendbuchautor wahrgenommen. Der Literaturkritiker Tobias Rüther bezeichnet Green als "einen der wichtigsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart", der Bücher verfasst, die der All-Age-Literatur zuzurechnen sind, da diese

überhaupt kein Alter haben, irgendwie so knapp über der Gegenwart schweben, dass man nicht sagen könnte, in welchem Jahr sie spielen, nur welcher Augenblick in ihnen beginnt und nicht mehr aufhört: der nämlich, in dem man sich seiner selbst bewusst wird. Und weil dieser Augenblick eben ein Leben lang nachwirkt. (Rüther 2011).

Wissenschaftliche Rezeption

Greens Popularität spiegelt sich jedoch noch nicht in der Forschung zu Autor und Werk. Weder die Literaturwissenschaft noch die Literaturdidaktik im deutsch- oder englischsprachigen Raum hat sich bis dato intensiv mit ihm beschäftigt. Die meiste Aufmerksamkeit hat bislang The Fault in Our Stars erhalten: Es gibt Textanalysen und -interpretationen sowie didaktische Unterrichtsentwürfe für die Sekundarstufe I und II (vgl. Möbius 2015, vgl. Raulf 2015, vgl. Kraus/Riegger-Kuhn 2016). Es existieren zudem teilweise veröffentlichte Studien- und Masterabschlussarbeiten zu diesem Werk, überwiegend mit einem literaturdidaktischen Schwerpunkt. Auch literaturwissenschaftlich erhält The Fault in Our Stars verstärkt Aufmerksamkeit. So lassen sich im Kontext der  Forschung zu Krankheitsnarrativen bzw. der Krankheitsmotivik im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur zahlreiche aktuelle Beiträge und Publikationen zu Greens Roman finden. Das sprachdidaktische Potenzial von Greens Romanen wurde bisher noch nicht für die Forschung genutzt; auch eine sprachwissenschaftliche Auseinandersetzung fehlt. 

Im Gegensatz zur Forschungsliteratur findet eine breitgefächerte Auseinandersetzung mit Greens Romanen im Feuilleton statt. Neben zahlreichen Rezensionen der einzelnen Titel, existiert eine Fülle an Interviews, die vor allem das mediale und literarische Phänomen John Green, seinen Erfolg bei jugendlichen Rezipienten sowie die Akzeptanz seiner Werke seitens der Erwachsenen ergründen.


Fußnoten 

[1] http://www.johngreenbooks.com/an-abundance-of-katherines-faq (12.03.2017).
[2] http://www.johngreenbooks.com/paper-towns-faq (12.03.2017).
[3] http://www.johngreenbooks.com/will-grayson-faq (13.03.2017).

Bibliografie

Primärliteratur

  • Green, John: Eine wie Alaska. München: Hanser 2014.

Sekundärliteratur 

  • Cart, Michael: Jurybegründung Printzaward. http://www.ala.org/yalsa/booklistsawards/bookawards/printzaward/previouswinners/06printz (12.03.2017). 
  • Düringer, Katarina: EinFach Englisch Unterrichtsmodell: Unterrichtsmodelle für die Schulpraxis. John Green: The Fault in Our Stars. Paderborn: Schöningh, 2017.
  • Dütsch, Linda: Nebenwirkungen des Sterbens. Die Jugendjury wählt John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" zu ihrem Preisbuch 2013. In: JuLit 04 (2013), S. 38-42.
  • El Kurdi, Hartmut: Der Krebs und das Buch. Luchs Nr. 309. In: Die Zeit Nr.41/2012. http://www.zeit.de/2012/41/John-Green-Schicksal-ist-ein-mieser-Verraeter (13.03.2017).
  • Freudenberg, Ricarda: Zu Gast in einer bitteren, komischen Welt. Überlegungen zum literaturdidaktischen Potenzial des Romans Das Schicksal ist ein mieser Verräter für den Unterricht der 10. Bis 12. Jahrgangsstufe. In: kjl&m 15. Extra: Norm und Normüberschreitung in der Kinder- und Jugendliteratur und ihren Institutionen. Hrsg. von Ricarda Freudenberg/Petra Josting. München: Kopaed 2015, S. 212-225.
  • Goldmann, Lisa: Das Internet lenkt ab vom Schmerz. In: FAZ 29.07.2015. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/interview-mit-john-green-ueber-margos-spuren-13718830.html (08.03.2017).
  • Hauck, Stefan: "Die großen Fragen lassen mich nicht los". In: Buchjournal http://www.buchjournal.de/578211/ (13.03.2017).
  • Holst, Nina (u.a.): Sickness and Deviance in Children's and YA Literature: Treatments. In: Narrating Disease and Deviance in Media for Children and Young Adults. Krankheits- und Abweichungsnarrative in kinder- und jugendliterarischen Medien. Hrsg. von Nina Holst, Iris Schäfer und Annika Ullmann. Frankfurt a. M.: Peter Lang. S. 275-287. (= Kinder- und Jugendkultur, -Literatur und -Medien. Theorie - Geschichte - Didaktik Bd. 105).
  • Holst, Nina: Side Effects of Writing About Cancer: Categorising The Fault in Our Stars. In: s.o, S. 255-273.
  • Huber, Andrea: Romeo und Julia haben Krebs. In: Literarische Welt (17.09.2012). https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article109282868/Romeo-und-Julia-haben-Krebs.html (02.03.2017).
  • Kraus, Tanja/ Riegger-Kuhn, Eva: Materialien und Kopiervorlagen zu John Green. Das Schicksal ist ein mieser Verräter. München: Hase und Igel, 2016.
  • Luef, Wolfgang: Warum ist dieser Mensch ein Star? In: Süddeutsche Zeitung Magazin. Heft 22/2014 http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41926/Warum-ist-dieser-Mann-ein-Star (02.03.2017).
  • Möbius, Thomas: Textanalyse und Interpretation zu John Green. Das Schicksal ist ein mieser Verräter. 2. A. Hollfeld: Bange Verlag, 2015. (= Königs Erläuterungen; 498).
  • Pitschke, Franziska: Kranke Helden? Der Heldendiskurs im Kontext von Krebsnarrativen. In: Narrating Disease and Deviance in Media for Children and Young Adults. Krankheits- und Abweichungsnarrative in kinder- und jugendliterarischen Medien. Hrsg. von Nina Holst, Iris Schäfer und Annika Ullmann. Frankfurt a. M.: Peter Lang. S. 229-253. (= Kinder- und Jugendkultur, -Literatur und -Medien. Theorie - Geschichte - Didaktik Bd. 105).
  • Raulf, Barbara: EinFach Deutsch Unterrichtsmodelle: John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter: Klasse 8-10. H. von Joahnnes Diekhans. Paderborn: Schöningh, 2015.
  • Rüther, Tobias: So wie wir waren. In: FAZ Feuilleton vom 24.05.2011. Tobias Rüther in: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/jugendliteratur-so-wie-wir-waren-1634819.html (14.03.2015).
  • Schäfer, Iris: Von der Hysterie zur Magersucht. Adoleszenz und Krankheit in Romanen und Erzählungen der Jahrhundert- und der Jahrtausendwende. Frankfurt a. M.: Peter Lang 2016 (= Kinder- und Jugendkultur, -Literatur und -Medien. Theorie - Geschichte - Didaktik Bd. 101).
  • Spreckelsen, Tilman: Was denkt ihr bloß alle von ihr? John Greens Jugendroman Margos Spuren. In: FAZ Feuilleton vom 17.03.2010 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/kinderbuch/john-greens-jugendroman-margos-spuren-was-denkt-ihr-bloss-alle-von-ihr-1957809.html (12.03.2017).
  • Staas, Christian; Gottverdammt moralisch. In: DIE ZEIT Nr. 47/2012 http://www.zeit.de/2012/47/Schriftsteller-John-Green (14.03.2017).
  • Weiss, Simone: Jugendliteratur über Pest, Aids und Krebs: Eine Bestandsaufnahme. In: Narrating Disease and Deviance in Media for Children and Young Adults. Krankheits- und Abweichungsnarrative in kinder- und jugendliterarischen Medien. Hrsg. von Nina Holst, Iris Schäfer und Annika Ullmann. Frankfurt a. M.: Peter Lang. S. 211-228. (= Kinder- und Jugendkultur, -Literatur und -Medien. Theorie - Geschichte - Didaktik Bd. 105).

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