von Philipp Schmerheim

Asterix erobert Rom gilt auch 40 Jahre nach Erscheinen als die gelungenste Zeichentrickversion der beliebten Comicreihe. Zum Jubiläumsjahr veröffentlicht der Egmont-Verlag eine Neuausgabe des filmbegleitenden Albums: Der liebevoll gestaltete Band kombiniert eine Auswahl von Uderzos Zeichnungen für den Film mit einem auf Goscinnys Drehbuch beruhenden Erzähltext. Es geht um die an den Herakles-Mythos angelehnten zwölf Aufgaben des Asterix, die er mit seinem Freund Obelix bestehen muss, um eine Wette mit Julius Caesar zu gewinnen.

Goscinny, René/Uderzo, Albert: Asterix erobert Rom. Das Album zum Film.
Egmont Comic Collection, Köln, 2016.
80 Seiten, 7,99 € (Softcover), 15,00 € (gebunden)
ISBN 978-3770439416.
Empfohlen ab 8 Jahren.

Inhalt

Gegen die widerborstigen Gallier aus dem kleinen Dorf bei Aremorica sehen die Herrscher der antiken Welt keinen Stich; dank ihres Zaubertranks verprügeln Asterix, Obelix und Co. eine Römerlegion nach der anderen. Schließlich wird es dem römischen Diktator Gaius Julius Caesar zu bunt und er bietet den Galliern eine Wette an: Wenn sie zwölf herakleisch schwere Aufgaben erfüllen, wird Caesar die Gallier als Götter anerkennen, die seinesgleichen würdig sind; bestehen sie die Prüfungen nicht, so müssen sie sich ihm unterwerfen.

Dorfhäuptling Majestix fühlt sich an seiner Ehre gepackt und lässt sich auf die Wette ein. Und so machen sich Asterix und Obelix, begleitet von Caesars Schiedsrichter Gaius Pupus, auf den Weg, um gegen die besten Speerwerfer, Läufer und Judoka der antiken Welt zu kämpfen, eine Insel voller Sirenen zu überleben und im Haus der Verrückten den Passierschein A38 zu beantragen. Wie die Geschichte ausgeht, ist Asterix-LeserInnen natürlich vertraut: Nach erfolgreicher Mission feiern die Dorfbewohner ein ausgedehntes Wildschweingelage am Lagerfeuer.

Kritik

Die Asterix-Geschichten überzeugen immer dann, wenn sie ihr antikes Setting mit Anspielungen auf die Gegenwartskultur kombinieren. Der Film Asterix erobert Rom ist da keine Ausnahme: Die zwölf Aufgaben von Asterix und Obelix orientieren sich an den mythischen Aufgaben des griechischen Halbgotts Herakles, doch statt etwa die Ställe des Augias auszumisten und die neunköpfige Hydra zu töten, treffen die beiden – deutlich kindgerechter – den Ehrwürdigen des Berges, der sich als waschmittelbesessener Werbeansager entpuppt oder versuchen, ein Formular aus der europäischen LeserInnen vertrauten Bürokratiehölle zu entführen. Die Aufgaben sind von Goscinny/Uderzo auch an den Charakterzügen ihrer Titelhelden ausgerichtet: So meistert Asterix seine Herausforderungen, indem er seine Kontrahenten mit ihren eigenen Waffen schlägt. Er schickt etwa die Bürokraten im Haus der Verrückten auf die Suche nach dem Passierschein A39 – eine Aufgabe, über die alle Beamten verrückt werden. Obelix hingegen ist für die Aufgabe, alle Mahlzeiten zu essen, die der Koch der Titanen zubereitet, geradezu prädestiniert.

Mit Asterix erobert Rom (im französischen Original Les 12 travaux d’Astérix) reagierten Goscinny und Uderzo seinerzeit auf die in ihren Augen missglückten ersten Asterix-Zeichentrickfilme, bei deren Produktion sie nur eingeschränktes Mitspracherecht hatten. Sie gründeten kurzerhand die (kurzlebigen) Studios Idéfix und entwickelten eigens eine neue Asterix-Geschichte für die Kinoleinwand. Das hier besprochene Album zum Film beruht auf Goscinnys Drehbuch und Uderzos für den Film angefertigten Illustrationen, für die Neuausgabe wurde das Album komplett überarbeitet. Es ist wie ein Bilderbuch gestaltet: Der Erzähltext wird ergänzt durch sich in der Regel über eine Doppelseite erstreckende Zeichnungen, die ausgewählte Handlungsmomente illustrieren. Die Zeichnungen sind – wie immer bei Uderzo – lebhaft und charmant, wozu auch die liebevolle, auf saturierte Farbverläufe zurückgreifende Kolorierung durch den Asterix-Veteranen Thierry Mébarki beiträgt (Uderzo selbst ist farbenblind). Die Zeichnungen machen regen Gebrauch von Speedlines, um Bewegungs- und Handlungsverläufe zu illustrieren; im Vergleich zu den Asterix-LeserInnen vertrauten Comics wirken sie allerdings eher wie Standbilder denn wie in einen narrativen Fluss eingegliederte Panels.

Dem von Klaus Jöken aus dem Französischen übersetzten Erzähltext merkt man an, dass er auf einer Drehbuchvorlage beruht, deren Dialoge hinsichtlich der Ausgestaltung im filmischen Kontext geschrieben wurden. So beschreibt der auktoriale, nullfokalisierte Erzähler immer wieder Aspekte, die im Film oder in den Comic-Abenteuern der Gallier nicht expliziert werden müssen, weil sie über die Panelabbildungen oder Filmszenen evident sind: So "pflegt [Automatix] seiner Abneigung [gegenüber Troubadix’] Sangeskünsten mit Faustschlägen auf den Kopf des Barden Nachdruck zu verleihen", und die "Gesichter der beklagenswerten Ratgeber am Rande des Tisches sprechen Bände" bezüglich ihrer Angst von den Zornesausbrüchen des römischen Diktators.

Genau in diesen Abweichungen vom vertrauten Asterix-Leseerlebnis liegt der Charme von Asterix erobert Rom: Einerseits zeigt das Album deutlich, wie viel die Asterix-Geschichten ihrer Ausgestaltung im Ausdrucksmedium des Comic verdanken; andererseits bietet es eine liebevoll gestaltete Alternativ-Version eines der beliebtesten Asterix-Abenteuer. Und wer sich dafür interessiert, wie sich Erzählungen in verschiedenen Ausdrucksmedien wie Comic, Bilderbuch und Film verändern, findet mit den unterschiedlichen Versionen von Asterix erobert Rom reichlich Anschauungsmaterial.

Fazit

Die Heft-zum-Film-Ausgabe von Asterix erobert Rom richtet sich vor allem an Asterix-Liebhaber, die ihre Sammlung vervollständigen wollen und Freude an den lebhaft gezeichneten und kolorierten Zeichnungen Uderzos haben. An den Witz der klassischen Asterix-Comics reicht der für Kinder ab dem Erstlesealter geeignete Band zwar nicht heran, das soll er aber auch nicht. Besonders im Vergleich mit dem Film und anderen Comicgeschichten bietet er einen interessanten Einblick in die Möglichkeiten unterschiedlicher Erzählformen.

 

Eine Rezension des Films Asterix erobert Rom finden Sie hier: Asterix erobert Rom (Goscinny/Uderzo, 1976)


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