rezensiert von Philipp Schmerheim

Gebärdensprache nutzen, um mit Kindern zu kommunizieren, bevor sie sich lautsprachlich äußern können: Auf dieser Grundidee beruht das Bilderbuch Otto kauft ein. Die Autorinnen Birgit Butz und Anna-Kristina Mohos setzen hier zusammen mit der Illustratorin Kata Pap ihre kleine Buchreihe fort, in der bereits die Bücher Otto spielt und Otto geht spazieren erschienen sind. Wieder geht es darum, Gebärden als Kommunikationsform für alle Kinder und Erwachsene zu vermitteln. Damit tragen die Bücher ganz nebenbei auch dazu bei, bestehende Vorbehalte gegen gebärdensprachliche Kommunikation als solcher abzubauen.

Butz, Birgit und Anna-Kristina Mohos (Text), Kata Pap (Ill.): Otto kauft ein.
Kindergebärden, Potsdam 2020.
10 Seiten. 8,95 €
ISBN 978-3-00-049298-3.
Empfohlen ab 8 Monaten.

Inhalt

Kindergebärden sind als Brückensprache konzipiert, die es ermöglicht, mit Kleinkindern ab sechs Monaten zu kommunizieren, bevor diese sich lautsprachlich äußern können. (Hierzu ausführlicher in der Doppelrezension zu Otto geht spazieren und Otto spielt). Die Gebärden sind dabei der Deutschen Gebärdensprache (DGS) entlehnt. Während Kindergebärden in Deutschland noch eher ungewöhnlich und unbekannt sind, wird (American) Sign Language beispielsweise in den USA breitflächig eingesetzt.

Die Otto-Bilderbücher stellen ausgewählte Kindergebärden anhand von Alltagssituationen vor: Geht es in Otto spielt noch um den Kommunikationsraum kindlicher Spielsituationen und in Otto geht spazieren um denjenigen, der sich beim Ausflug mit den Eltern in die Nachbarschaft ergibt, fokussiert Otto kauft ein ­– dem Titel entsprechen – auf fünf Doppelseiten verschiedene Einkaufssituationen: Die Planung des Einkaufs am heimischen Küchentisch, den Ausflug auf den Wochenmarkt, den Abstecher zum Bäcker und Supermarkt sowie, auf der letzten Doppelseite, eine Spielsituation im Kinderzimmer, in der Otto mit seiner Mutter Einkaufen spielt.

Wie in den anderen beiden Bänden werden auf jeder Seite drei Kindergebärden vorgestellt, die auf der rechten Seite deutlich gezeigt werden. Die Gebärden passen zu der jeweiligen Situation, die in einer doppelseitigen Illustration, begleitet von knappem Schrifttext, dargestellt wird. Auf den Illustrationen gebärdet Otto, der im Vergleich zu den ersten beiden Bänden größer geworden ist, bereits eine der im rechten Seitenbereich abgebildeten Gebärden. Beispielsweise hocken Otto und Vater im Supermarkt vor dem Kühlregal (vgl. Abb. 1), während es im Schrifttext heißt:

"Otto und Papa sind im Supermarkt.
Schau mal, im Einkaufskorb liegen Nudeln und Würstchen.
"Was brauchen wir noch?", fragt Papa.
"Käse!", gebärdet Otto.

Abb. 1: Butz/Mohos/Pap 2020

Kritik

Otto kauft ein reiht sich in die von den ersten beiden Bänden gesetzte Tradition ein: Das Bilderbuch präsentiert einen niederschwelligen, kurzweiligen Zugang zu Kindergebärden, die Eltern mit ihren kleinen Kindern ohne viel Umstände gemeinsam erlernen können; zugleich lässt sich der Band ganz klassisch als Vorlesebuch zum Erraten und Erlernen neuer Vokabeln nutzen, finden sich auf den wieder klar konturierten und strukturierten Illustrationen doch wimmelbuchähnlich viele Gegenstände, die der Entdeckung und Benennung durch kindliche Augen harren. Da die Pappseiten sehr stabil sind, hält das Bilderbuch auch einen eher robusten Umgang aus.

Weil es hier vorwiegend darum geht, Gebärden zu erlernen, fordert Otto kauft ein eigentlich gar nicht so sehr ein Vor-Lesen heraus, sondern ein gemeinsames Vor-Gebärden. Das macht die Otto-Bände besonders. Die ausgewählten Gebärden sind bewusst einfach gestaltet und leicht nachgebärdbar. Wer dennoch unsicher ist, kann auf die Beispielvideos zurückgreifen, die sich auf der Internetpräsenz der Autorinnen finden: www.kindergebärden.de. Dort gibt es auch weitere Informationen, Spielideen und Zusatzgebärden zu Otto kauft ein: https://kindergebaerden.info/spielidee-fuer-otto-kauft-ein.

Da nun bereits drei Bände vorliegen, fällt die darin inszenierte bürgerliche Heteronormativität auf: Otto ist ein weißes Kind mit weißen Eltern; es ist der Vater, der mit Otto spazieren und einkaufen geht, während sich die Interaktionen des Kinds mit der Mutter in den eigenen vier Wänden abspielen. Wichtig wäre es, in zukünftigen Bänden ein etwas diverseres Setting umzusetzen.

Fazit

Auch Otto kauft ein ist wieder ein wunderbares kleines Bilderbuch mit inklusivem Charakter, für Kinder ab acht Monaten, das den Blick auf ein bisher leider immer noch vernachlässigtes Feld der zwischenmenschlichen Kommunikation lenkt. Nur zu empfehlen!

[Erstveröffentlichung: 24.11.2020]


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