von René Stühmer

Wer die Welt einmal wieder durch Kinderaugen betrachten möchte, den lädt der japanische Kultregisseur Hayao Miyazaki  mit seinem im Jahr 1988 entstandenen Anime-Klassiker Mein Nachbar Totoro dazu ein. Der Film entführt den Zuschauer Seite an Seite mit zwei abenteuerlustigen Mädchen und einem charismatischen Waldgeist namens Totoro durch ein verträumtes Naturidyll, das er am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte.

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Inhalt

Ein Vater zieht mit seinen beiden jungen Töchtern Satsuki und Mei in ein altes Haus auf dem Land, um in der Nähe seiner kranken Frau sein zu können. Die Eingewöhnung in der neuen Heimat dauert nicht lange, denn die Natur stellt mit ihren prächtigen Feldern und Wäldern eine willkommene Spiellandschaft für die beiden Mädchen dar. Eines Mittags trifft die kleine Mei schließlich auf den freundlich gesinnten Waldgeist Totoro, der übernatürliche Fähigkeiten besitzt und zum Beispiel Bäume wachsen lassen oder einen Katzenbus herbeirufen kann. Später begegnet das mysteriöse Waldwesen auch ihrer älteren Schwester Satsuki. Fortan erleben die Geschwister zusammen mit Totoro allerhand Abenteuer.

Das Naturidyll und der charismatische Nachbar aus dem Wald werden allerdings von den Sorgen, die sich die Mädchen um ihre kranke Mutter machen, überschattet. So kommt es plötzlich zu einem Streit zwischen den Schwestern und Mei rennt überhastet davon, um alleine zum Krankenhaus der Mutter zu eilen. Die besorgte Satsuki sucht daraufhin Totoro auf, welcher prompt seinen zwölfbeinigen Katzenbus herbeiruft und sie mit dessen Hilfe im Eiltempo zu Mei führt. Zum Schluss vertragen sich die beiden Schwestern und werden anschließend von Totoro zum Krankenhaus ihrer Mutter gebracht, wo sie dieser ein kleines, aber besonderes, Geschenk überreichen.

Kritik

Mein Nachbar Totoro wurde zwar bereits 1988 produziert, jedoch erst 2007 in Deutschland veröffentlicht. Bekannt sein dürfte Regisseur und Studio Ghibli-Mitgründer Hayao Miyazaki eher durch aktuellere Produktionen wie Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland. Für letzteren Film gewann Miyazaki 2002 einen Oscar für den besten Animationsfilm sowie den Goldenen Bären auf der Berlinale. Wer sich diese beiden Filme anschaut, der wird bemerken, dass die Verbindung von Mensch und Natur darin eine wichtige Rolle einnimmt und dass Miyazaki offensichtlich ein Faible für das Übernatürliche hat.

Oben genannte Elemente spielen auch in seinem Frühwerk Mein Nachbar Totoro eine Rolle, nur werden sie dem Zuschauer hier auf eine andere Art und Weise präsentiert. Der Film gibt sich weitaus bodenständiger, verzichtet auf Gewaltdarstellungen und zeigt eine Welt aus der Perspektive von verträumten Kinderaugen. Die Stärken des Films liegen vor allem in der liebevollen Gestaltung der Charaktere und der verwunschenen wie detailliert wiedergegebenen Naturlandschaften. Wenn Mei bei frühlingshaftem Sonnenschein über die Felder hüpft und später wie Alice im Wunderland durch einen mysteriösen Tunnel plumpst, um danach dem schläfrigen Totoro in die Augen zu blicken, dann bedarf dies nicht vieler Worte. Dazu gesellt sich eine erstklassige Sounduntermalung, die für eine warme Atmosphäre sorgt.

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Dass die Geschichte recht simpel ausfällt und teilweise gar alltäglich erscheint, fällt keineswegs negativ ins Gewicht. Der Film möchte an keiner Stelle epische Ausmaße annehmen und beschäftigt sich lieber mit dem Verschwimmen von Traum und Wirklichkeit, das unmittelbar hinter dem Haus inmitten des ländlichen Naturidylls stattfindet. Während beispielsweise Chihiros Reise ins Zauberland eine komplett eigenständige Parallelwelt aufbaut und mit grotesken Charakteren und Darstellungen ausschmückt, geht Miyazaki bei Mein Nachbar Totoro bodenständiger zu Werke. Hier verleiht Totoro mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten der Welt lediglich in bestimmten Momenten einen magischen Charakter. Das funktioniert im Zusammenspiel mit den sehenswerten Naturlandschaften und den begeisterungsfähigen Hauptfiguren Mei und Satsuki wunderbar.

So bekommt der Zuschauer eine Welt zu Gesicht, wie sie wohl nur forschende Kinderaugen sehen können. Ob der behäbige Waldgeist wirklich existiert oder nur der Fantasie der beiden Schwestern entspringt, bleibt dabei bis zum Ende offen. Die Antwort auf die Frage nach Totoros Existenz wird somit allein dem Zuschauer überlassen, weshalb der gesamte Film auch als ein Appell an die eigene kindliche Fantasie angesehen werden kann.

Fazit

Mein Nachbar Totoro liefert wunderschöne Bilder, welche die Grenze zwischen Traum und Realität gekonnt verwischen. Ein Film für die ganze Familie, der insbesondere jenen, die schon längst nicht mehr wissen, mit welch einer Verzückung sie in ihrer Kindheit durch Wald und Wiesen getollt sind, ans Herz gelegt sei.

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Titel: MEIN NACHBAR TOTORO
Originaltitel: Tonari no Totoro
Produktionsland: Japan
Produktionsjahr: 1988
Dauer: 86 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 17.9.2007
Verleih: Universum Anime
Regisseur: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki
Kamera: Takeshi Seyama
Musik: Joe Hisaishi
Schnitt: Takeshi Seyama
Produzent: Toru Hara

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