[29.01.2016]

von Sabine Planka

Auf der Buchmesse treffe ich Ursula Poznanski zum Interview. Ihr neuester Roman Layers ist soeben erschienen, ebenso der Roman Fremd, eine Kooperation mit dem Autor Arno Strobel. Entspannt sitzen wir am Stand des Loewe Verlag, während um uns das Messe-Chaos tobt.


Pressefoto Ursula Poznanski
Quelle: Doris Bretterbauer | © Loewe Verlag GmbH

Sabine Planka: Ihr neuer Roman Layers kreist – genau wie Ihr Erfolgsbuch Erebos – um den Missbrauch von Technik. Während es in Erebos noch ein Computerspiel ist, dessen Produzenten in die Welt der Spieler eingreifen und so die Grenze zwischen Realität und Virtualität verschwimmen lassen, ist es in Layers eine Brille, die Verborgenes sichtbar machen kann und die Bezüge zur Google Glass aufweist, die ebenfalls beim Betrachten von Gegenständen – und, so befürchten Datenschützer, von Menschen – Informationstexte vor den Augen des Betrachters liefern wird. Mit diesen aktuellen Themen treffen Sie einen Nerv, der durch die Affäre um Edward Snowden noch empfindlicher geworden sein dürfte. Was reizt Sie zum einen persönlich am Thema des Technologie- und Datenmissbrauchs und der Augmented Reality, zum anderen aber auch an dem Thema der zu schützenden Privatsphäre eines jeden Einzelnen?

Ursula Poznanski: Ich bin überhaupt kein technischer Mensch. Ich hab also auch keine Ahnung, wie diese Sachen funktionieren.

Das merkt man ihren Büchern nicht an.

Ja, aber ich glaub deswegen hab ich auch einen komplett anderen Zugang dazu, nämlich so einen halb magischen. Ich verstehe gar nicht genau, was die tun und kann daher glaub ich noch viel mehr hineininterpretieren, als das jemand würde, der genau weiß, was denn da innerlich abläuft in dem jeweiligen Programm oder Gerät, ob Software oder Hardware. Ich bin da in Wahrheit komplett unbeleckt von technischen Details. Ich glaube, ich betrachte diese Dinge einfach eben anders, nämlich ein bisschen als magische Objekte, die dann auch alle möglichen Dinge können und daher einem eigentlich realistischen Plot noch eine eigene Note verleihen. Das ist für mich das Gefühl beim Schreiben.

Die Privatsphäre ist einfach ein wahnsinnig spannendes Thema. Das was wir zeigen und was wir verbergen und was dann doch irgendwie ans Tageslicht kommt, das ist ja auch ein klassisches Element in Geschichten und dem kann man sich dann auch wieder aus einer ganz anderen Perspektive nähern. Und das mache ich einfach gerne. Und ich denke gerne Dinge, die möglich sind, noch ein Stück weiter. Es ist ja meist nur ein ganz kleiner Schritt von dem, was es schon gibt, zu dem, was es noch nicht gibt, aber theoretisch geben könnte und das macht mir einen riesen Spaß. Also nicht nur mit dem zu arbeiten, was da ist, sondern auch mit dem, was da sein könnte.

Das fand ich ganz spannend gerade bei der Brille, die nicht nur zusätzliche Informationen zeigt oder Dinge sichtbar macht, sondern die Dinge tatsächlich auch verbirgt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Das war für mich so eine logische Kette. Der Ursprung war ein Artikel, den ich gelesen habe, über einen Zoo in Amerika, in glaube es war San Diego, ich bin mir da nicht sicher. Wenn man möchte, kann man sich in dem Zoo Datenbrillen leihen und dann begrüßen einen virtuelle Pinguine, die einen durch den Zoo führen. Das fand ich komplett spannend, denn für mich waren Datenbrille bisher immer Dinge, die Texte einblenden und meine japanische Speisekarte übersetzen. Aber die Tatsache, dass da wirklich so etwas wie ein Film abläuft, fand ich fantastisch. Und ich kann Informationen geben, ich kann etwas dazu blenden und wahrscheinlich kann ich auch etwas wegblenden. Es war also eine Gedankenkette, in der ich einfach gedacht habe: Ja, klar! Einfach alles verändern, was man verändern kann und was denkbar ist. Aber das sind so Sachen, die kommen dann so plötzlich.

Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung ihrer Protagonisten ganz interessant, die an und mit den Herausforderungen wachsen, die vielschichtig gezeichnet sind und im Laufe der Handlung ihre volle Persönlichkeit immer mehr entfalten. Gibt es in Ihrem Leben/in Ihrem Umfeld Personen, die Sie als Vorbild für Ihre Protagonisten nehmen?

Nein, eigentlich nicht. Bei mir ist es so, dass ich mir kaum je jemanden aus dem realen Leben nehme und ihn in mein Buch packe. Es sind immer ziemlich reine Kopfgeburten bei mir. Ich kann es auch ganz schwer schildern, weil es passiert, während ich den Plot entwickle. Die Figuren kommen dann dazu. Ich fange auch nie mit den Figuren an, sondern die tauchen während des Schreibprozesses auf und kriegen Kontur. Das mache ich nie so richtig bewusst, dass ich sage, den müsste ich jetzt so und so sein lassen. Es gibt natürlich einzelne Dinge, die ich mache, damit die Geschichte funktioniert, wie zum Beispiel Dorians Obdachlosigkeit [gemeint ist hier der Protagonist aus Layers; Anm. S.P.]. Die habe ich gebraucht, sonst hätte die Geschichte nicht funktioniert. Ich habe mir also nicht gesagt, dass ich die Geschichte eines obdachlosen Jungen schreibe, sondern die Figur war mehr Mittel zum Zweck. Aber wie er tickt und wie er ist und wie er denkt, das passiert.

Das heißt, dass Sie zuerst Ihre Idee zum Plot haben und sich daraus dann Ihre Story ergibt, inklusive Figuren.

Im Prinzip ja. Es ist ein bisschen wie ein Puzzle. Man hat nur Einzelteile, von denen man noch nicht genau weiß, wo sie hingehören, aber irgendwann werden die wichtig sein. Und dann fängt man an, den Rahmen zu legen. Dann findet man plötzlich ein Stück, an dem man weitere Teile wie bei einem Puzzle runterlegen kann. Es ist so ein Stückwerk.

Ich finde den Vergleich toll!

Ja, und dann ist irgendwo eine Figur und dann kommt ein Stück Handlung. Man sucht sich auf diese Weise aus seinen Stückchen zusammen, was passt. Ich hab nie das ganze Bild, wenn ich anfange zu schreiben, muss aber wissen, was es am Ende sein wird und wie es am Schluss aussehen wird. Das muss ich wissen. Und dann fange ich an zu schreiben.

Für Erebos wurden Sie u.a. 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Wie wichtig sind Ihnen solche Preise?

Der Preis war ja ein Publikumspreis von der Jugendjury. Das ist natürlich sensationell und schon sehr, sehr toll. Das hat mich unglaublich gefreut. Und dann war es auch noch in diesem Genre des Jugendbuchs das Erstlingswerk. Das war schon weltbewegend und ein positiver Schock. Ich hab’s auch im ersten Moment gar nicht glauben können. Aber es war ganz großartig!

Erhöht das den Druck beim Schreiben für nachfolgende Bücher? Setzt man sich da selber unter Druck?

Ich glaube, ich verdränge das total. Ein Preis ist so etwas, den habe ich jetzt. Den nimmt mir jetzt auch keiner mehr weg. Und Druck habe ich tatsächlich nicht empfunden.

Neben diversen Kinderbüchern (u.a. Theo Piratenkönig, Die allerbeste Prinzessin und Pauline Pechfee) haben Sie – neben Layers und ErebosSaeculum und die Eleria-Trilogie (Die Verratenen, Die Verschworenen und Die Vernichteten) für Jugendliche verfasst, daneben zudem auch drei Thriller für Erwachsene (Fünf, Blinde Vögel und Stimmen). Wie unterscheidet sich für Sie das Schreiben für jugendliche Leser von dem für erwachsene Leser und dann auch noch einmal für Kinder? Zwischen dem Schreiben für Kinder oder für Erwachsene ist der Unterschied natürlich …

…enorm. Auch zwischen Kindern und Jugendlichen besteht ein wesentlich größerer Unterschied als zwischen Jugendlichen und Erwachsenen.

Wie ist dieses Schreiben? Machen Sie für sich beim Schreiben eine Unterscheidung?

Ein bisschen schon. Aber die ist wesentlich geringer, als man denken sollte. Es sind wirklich Nuancen, die anders sind. Ich schreibe ja Thriller im Erwachsenenbereich, die durchaus ein bisschen blutiger sind, als ich das im Jugendbuchbereich machen würde, oder dürfte. Aber ich würde das auch gar nicht wollen. Das ist der eine Unterschied. Der andere, der in meinem Kopf noch entscheidender ist, ist der, dass ich bei einem Buch, das ich für Erwachsene schreibe, mir durchaus ein Ende vorstellen kann, das eine düstere Note hat, während ich beim Jugendbuch immer versuchen würde… [denkt nach] Ich mache ja nie diese kitschigen rosa Happy Endings, sondern es ist immer eher so ein "Hmm-Happy-End". Gar nicht so happy, aber immer mit einer hoffnungsvollen Note und mit dem Gedanken, dass nicht alles furchtbar ist. Das würde ich für Erwachsene unter Umständen schon tun, wenn ich finde, dass es die Geschichte besser macht. Bei Jugendlichen würde ich versuchen, dass tunlichst zu vermeiden. Das würde ich nicht wollen.

Warum?

Ich weiß es nicht.

Mir fällt dazu die Debatte ein um Kevin Brooks’ Bunker Diary, einem unglaublich düsteren Roman, der sich um Menschen dreht, die entführt und in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten werden. Von einem Unbekannten erhalten sie von oben Nahrung, werden aber auch bestraft. Erzählt wird die Geschichte in Form eines Tagebuchs und es ist tatsächlich sehr, sehr düster. Die Meinungen spalten sich in die, die das Buch weiterempfehlen und in die, die dieses Buch aufgrund der mitunter psychischen Gewalt, der die Opfer ausgesetzt sind, nicht empfehlen würden. Vor diesem Hintergrund ist es spannend, dass Sie sagen, dass Sie zwar kein kitschiges rosafarbenes Happy End liefern, aber eine positive Tendenz.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich so ein Buch mit fünfzehn, sechzehn gelesen hätte, dann hätte ich das… dann hätte ich es weggelegt mit einem schlechten Gefühl. Wenn ich so etwas heute lese, geht man völlig anders heran. Man hat ein völlig anderen Bild vom Leben, wenn man, sagen wir, 25+ ist. Dann hat man die Möglichkeit, anders zu kompensieren, als Jugendliche dies können. Mir ist das jedenfalls so gegangen und ich gehe da jetzt nur von mir aus. Vielleicht hätte mir das Buch gut gefallen können bis zum Schluss. Und wenn das dann wirklich so ein tragisches oder hoffnungsloses Ende hat, dann hätte ich es nicht gemocht, obwohl es mir vorher vielleicht gut gefallen hat. Das hätte mich wahrscheinlich auch ein paar Tage verfolgt. Da hätte vorher meterhoch das Blut spritzen können, das wäre mir wahrscheinlich wesentlich, wesentlich weniger nahegegangen, als wenn man mit einem wirklich schlechten oder bösen Ende endet. Aber wenn Sie zum Beispiel Stimmen gelesen haben…?

Ja.

Das Buch endet, nur als Beispiel, eigentlich damit, dass ein vierjähriges Mädchen, dessen leibliche Mutter schwer traumatisiert ist und das Kind nicht aufziehen kann, die Mutter verliert, die es hat. Das würde ich in einem Jugendbuch so nicht machen.

Die Zielgruppen Ihrer Bücher lassen sich gar nicht so einfach definieren im Sinne einer Genderspezifik. Die Covergestaltung verhält sich vor diesem Hintergrund recht neutral, ist nicht in Rosa oder Blau gehalten, sondern spricht eine breite Leserschaft an. Wie wichtig ist es für Sie, für 'alle' zu schreiben, vor allem auch vor dem Hintergrund der gewählten Thematiken?

Mir ist der Gedanke fremd, nur für Mädels oder nur für Jungs zu schreiben. Das ist was, wo ich keinen Grund sehe. Eine Geschichte, die funktioniert, funktioniert da und dort. Und ob meine Protagonisten jetzt männlich oder weiblich sind… Ich mach das jetzt auch nicht so, dass ich denke, ach, das wird eine Technikgeschichte, das muss jetzt für Jungs sein. Das würde ich auch in der Form nicht machen. Das passiert mir. Ich weiß natürlich, dass Jungs eher Bücher lesen, in denen ein Junge Protagonist ist. Aber ich habe eine Trilogie geschrieben mit einer Protagonistin, die auch von Jungs gelesen worden ist. Wahrscheinlich mehr von Mädchen – es wird alles mehr von Mädchen gelesen.

Manchmal ist die Covergestaltung anderer Bücher schon sehr explizit auf die Zielgruppe zugeschnitten. Und Jungs werden wahrscheinlich keine Liebesgeschichten lesen.

Das ist sowieso nicht mein Genre. Bei mir ist es in irgendeiner Form immer der Spannungsroman. Ob man das jetzt Thriller nennen muss oder nicht… Und oft kommt ja doch immer in irgendeiner Form eine Liebesgeschichte vor. Das finde ich auch ganz schön, ich würde es aber immer weglassen, wenn es nicht reinpassen würde. Dann würde ich es auch nicht machen. Bei Layers habe ich sie ja gebraucht, da war sie ja wirklich wichtig.

Wie verläuft bei Ihnen ein typischer Arbeitsalltag? Wie schreiben Sie, wo schreiben Sie und vor allem: Wie recherchieren Sie Ihre Themen?

Ich hab ein Büro in meinem Haus, da schreibe ich. Der typische Arbeitstag ist der, dass ich gerne möglichst früh zu schreiben beginnen würde und dann aber erstmal an allen möglichen Dingen hängen bleibe, sei es Facebook, seien es E-Mails, sei es was auch immer. Die Crux ist, der Computer, an dem man arbeitet, ist ja auch immer das Ablenkungsinstrument schlechthin, und da bin ich leider überhaupt nicht immun. Das bedeutet, ich gucke immer erstmal so rum und versuche dann aber möglichst schnell die Kurve zu kriegen zum Manuskript. Das gelingt mir mal besser und man schlechter. Dieser Kampf, jetzt endlich anzufangen, ist typisch für mich. Wenn ich dann mal drin bin, dann geht es.

Den ganzen Tag?

Nein, nein. Ich versuche immer ungefähr 1300 Wörter am Tag zu schreiben, das sind knapp fünf Seiten. Wenn mir das gelingt, dann bin ich zufrieden. Ich bleib auch manchmal drunter, wenn es kompliziert ist oder speziell in der Anfangsphase eines Buches, weil man sich da ja erst hineinfinden muss. Da geht es immer deutlich langsamer und wird dann gegen Ende hin immer schneller.

Wie viel Autobiographisches fließt in Ihre Werke ein? Woher holen Sie sich Ihre Inspirationen? Wie werden Sie beeinflusst? Durch Zeitungsschnipsel, durch eigene Erlebnisse in der Vergangenheit? Gibt es da etwas, das einfließt in Ihre Werke?

Auf irgendeiner Ebene bestimmt. Man muss ja Dinge aus sich heraus schöpfen. Allein, wenn ich Emotionen überzeugend schildern will, dann muss ich die ja irgendwoher nehmen. Ich kann ja nur auf mich selber rückschließen, weil ich ja niemandes andere Emotionen empfinden kann. Das heißt, man schildert natürlich immer so ein bisschen sich selbst in diesen Dingen, außer man nimmt jetzt Anleihen an Dingen, die andere Leute geschrieben haben, und das finde ich aber auch nicht so schön. Und natürlich immer mit der Abstraktion drin und mit Gedanken, wie würde ich empfinden, wenn ich so und so gestrickt wäre, was würde sich an meinen Empfindungen ändern, wenn ich in der und der Situation wäre.

Ein Beispiel: Dass Dorian sich so schnell in Stella verliebt hat, hat ganz bestimmt was damit zu tun, dass er einfach sonst komplett entwurzelt ist und dann plötzlich eben einer oder eine da ist, die so etwas wie Halt bietet. Sonst wäre er wahrscheinlich auch nicht so schnell und so unglaublich für Stella entflammt und so abhängig davon, sie wiederzusehen.

Natürlich nutzt man beim Schreiben auch Eigenschaften, die man selbst hat, weil es nicht anders geht. Sonst wird das, was man schreibt, auch extrem trocken oder künstlich. Allerdings packe ich fast nie eigene Erlebnisse oder Erinnerungen in meine Bücher rein.

Wie kritisch geht Ihre Familie mit Ihren Ideen, Rohentwürfen und Skripten um? Teilen Sie das mit Ihrer Familie?

Nein, überhaupt nicht.

Das heißt, das ist komplett abgeschlossen und ein anderer Bereich.

Ja. Die Familie kriegt es zu lesen, wenn es komplett fertig ist, wenn die Belegexemplare da sind. Ich find's auch… Ich würd das auch nicht wollen, dass die Familie da jetzt mitspricht. Das würde auch nicht funktionieren. Ich könnte jetzt auch gar nicht so genau sagen, warum, aber das würde sich für mich nicht richtig anfühlen.

Das heißt, dass es während des Schreibens kein Moment der Kritik gibt?

Doch schon, aber nicht aus der Familie. Ich habe eine Freundin, die auch schreibt; der schicke ich meine Texte zwischendurch in größeren Abständen. Bei der weiß ich erstens genau, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt, was extrem wichtig ist. In der Familie hätte ich dann entweder die Leute, die sagen: "Oohhh, toll!", was mir nicht hilft, oder diejenigen, die sich denken: "Ja aber gerade ich muss ja jetzt was finden" – und dann  versuchen sie, auf Biegen und Brechen, etwas zu finden. Beides hat überhaupt keinen Sinn für mich. Das heißt, ich brauche jemanden, der sich den Text wirklich anguckt, ohne Rücksicht auf meinen Namen und ohne dieses "Ich muss jetzt dringend wahnsinnig kritisch sein". Und das auch mit einem wirklich professionellen Blick. Die Freundin, von der ich eben gesprochen habe, hat einfach ein Gespür für Texte, was toll ist. Bei ihr weiß ich auch immer genau, was sie meint. Wenn ich versuche, mich um irgendetwas herum zu schummeln, findet sie das sofort und sagt: "Was hast du denn da gemacht, das muss ja gar nicht sein." Das ist schon sehr, sehr, sehr gut. Wenn’s da irgendwo eine offene Wunde gibt in meinem Text, legt sie sicher den Finger rein.

Wenn Sie Zeit zum Lesen haben: Wo lesen Sie gerne, was lesen Sie gerne und welches Buch wartet darauf, als nächstes gelesen zu werden?

Ich lese gerne in der Badewanne und im Bett.

Da liest irgendwie jeder gerne!

Ja! Ich lese auch gerne im Flieger und im Zug, wenn ich damit unterwegs bin. Und im Urlaub… Völlig klassisch. Und kreuz und quer, eigentlich alles.

Klassisches Buch…

Ja!

… oder E-Book?

Eigentlich klassisches Buch. Ab und zu gelegentlich jetzt auch Hörbuch. Aber immer ungekürzt. Gekürzte Fassungen mag ich nicht. Gerade beim Fliegen und wenn ich nicht das Buch mitschleppen will, sind Hörbücher am Handy herrlich. Das hab ich jetzt entdeckt für mich, das hab ich früher nie gemacht. Aber das ist gerade eben für diese Gelegenheiten toll.

… und man kann so schön abschalten.

Ja, ja! Und man hört den Rest nicht so. Das finde ich ganz toll. Und es hat auch was, einen Text durch die Sprecher in bereits interpretierter Form vorgesetzt zu bekommen. Das ist wieder etwas völlig anderes als ein eigenes Leseerlebnis, gefällt mir aber trotzdem gut. Das kann ich als Alternative gut haben, wenn’s nicht gekürzt ist. Aber ansonsten: klassisches Buch mit Papier. Ich sehe bei gedruckten Büchern beim Lesen einfach, wie weit bin ich – bin ich am Anfang, bin ich in der Mitte… Das ist was völlig anderes, als wenn auf dem Bildschirm jetzt steht: 55%.

Zusammen mit Arno Strobel haben Sie Fremd geschrieben. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Über einen ganz lockeren Abend irgendwo an der Bar mit 'ner Flasche Wein und über den Gedanken, das wir beide uns nicht vorstellen konnten, mit irgendjemand anderem was zusammen zu schreiben. Und dann haben wir das Thema so lange herumgewälzt, bis die Idee da war. Und dann haben wir gedacht, ach Quatsch, jetzt versuchen wir einfach mal aus Jux ein paar Kapitel, und dann schreibst du ein Kapitel und dann schreib ich ein Kapitel. Und dann sind es rund 400 Seiten geworden.

Vielen Dank an Ursula Poznanski für das Interview!

 

Ursula Poznanski wurde 2010 durch ihren Jugendroman Erebos bekannt, für den sie u. a. den deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury gewann. Die gebürtige Wienerin hat aber bereits seit 2003 eine Reihe von Kinderbüchern veröffentlicht, darunter Theo Piratenkönig, Die allerbeste Prinzessin und Pauline Pechfee. Nach dem Erfolg mit Erebos folgte eine Reihe von Thrillern und Science-Fiction-Büchern, darunter die Eleria-Trilogie, Saeculum, die Beatrice-Kaspary-Reihe (Fünf, Blinde Vögel, Stimmen) sowie die jüngst erschienenen Romane Layers und Fremd. Poznanski lebt mit ihrer Familie in Wien. Webseite: www.ursula-poznanski.de

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